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«Können niemand helfen»: Koskys «Mahagonny» von Brecht/Weill

Barrie Kosky, Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Berlin (dpa) - Es ist schwerer Opernstoff. Mit «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» haben Kurt Weill und Bertolt Brecht in gut zweieinhalb Stunden so ziemlich alle menschlichen Abgründe in eine Bühnenfassung gepresst. Barrie Kosky, sonst bekannt auch für Originalität und Heiterkeit, setzt das düstere Stück ans Ende seiner zehn Jahre als Intendant der Komischen Oper in Berlin. Nach einem Pro- und Contra-Intermezzo vom Theaterrang - ein «Totale Scheiße!»-Rufer wird mit «Schnauze!» beantwortet - gibt es am Samstagabend vom Publikum Anerkennung für Solisten, Ensemble, Regieteam und das Orchester unter Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis.

Kosky lässt die fiktive Stadt in einem zunächst dunklen Bühnendreieck entstehen, das im zweiten Teil nur noch aus Spiegeln besteht. Begbick (Nadine Weissmann), Fatty (Ivan Turšić) und Dreieinigkeitsmoses (Jens Larsen) erschaffen mit Hilfe der Prostituierten Jenny (Nadja Mchantaf) und dem Holzfäller Jim (Allan Clayton) eine moderne Version von Sodom und Gomorra zwischen Alkohol und Lust, Gier und Gewalt. Während Mahagonny rasch dem Ende entgegengeht, verwebt Weill seine themenreiche, mit zahlreichen Zitaten versehene Musik zunehmend zu einem beklemmenden Finale. Von allen Seiten lässt Kosky die düsteren Schlusszeilen aus dem Off ertönen: «Können uns und euch und niemand helfen».

«Mahagonny» ist keine Oper für Zwischenapplaus. Dabei sind auch bekanntere Stücke darin enthalten. Der «Alabama Song» etwa, berühmt geworden auch durch Versionen von The Doors oder David Bowie. Auch das zunächst schmissige «Denn wie man sich bettet, so liegt man» zieht sofort in einer harte Realität zurück: «Es deckt einen da keiner zu.» Das böse Ende für alle kommt als ferngesteuerter Gott in Affengestalt, in Hebräisch als Eloah überschrieben. Mit einem Lautsprecher lässt Kosky ihn über die Bühne fahren, um das lästerliche Mahagonny und die Menschen darin zu zerstören.


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