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Kirchen zwischen Personalnot und digitalem Aufbruch

Online-Pfarrerin Jennifer Scherf. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Potsdam (dpa) - In den Brandenburger Kirchengemeinden ist die Entwicklung bei den Mitgliederzahlen recht unterschiedlich. Während die evangelische Kirche leicht verlor, verzeichnete die katholische Kirche leichte Zuwächse. So zählte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo) Ende 2020 mit rund 332.400 Mitgliedern rund 2,6 Prozent weniger Menschen als 2019. «Hinzu kommen knapp 20.000 Brandenburger evangelischen Glaubens, die in anderen Landeskirchen organisiert sind», sagte Ekbo-Sprecherin Ulrike Mattern.

Gegenüber 2019 ist die Zahl der Katholiken im Land 2020 um 624 auf nun rund 90.800 gewachsen. Sie verteilen sich auf die Bistümer Magdeburg und Görlitz sowie der Großteil auf das Erzbistum Berlin. «Die Zahl bleibt bisher konstant», sagt Erzbistumssprecher Stefan Förner. Das hänge einerseits mit statistischen Bereinigungen zusammen, was die Zuordnung angehe, und auch mit dem Wegzug ins Umland.

Knapp 74.000 Brandenburger gehörten zuletzt dem Erzbistum Berlin an. Im Bistum Görlitz gab es Anfang Dezember 2021 rund 14 350 Katholiken, laut Generalvikar Alfred Hoffmann ein stabiler Wert. «Das ist deutschlandweit gegen den Trend. Der Zuzug aus Polen wirkt sich positiv aus», sagt er. Konstant gibt es im Bistum Görlitz derzeit 11 Pfarreien und im Erzbistum Berlin 30. In der evangelischen Kirche sind aktuell 894 Kirchgemeinden in 19 Kirchenkreisen organisiert.

Derzeit steht aber die Existenz einiger Kirchenkreise zur Disposition, so des Kirchenkreises Wittstock-Ruppin. Im dortigen Pfarrsprengel Papenbruch (Ostprignitz-Ruppin) lebt und arbeitet Pfarrer Berthold Schirge seit fast 35 Jahren. Eigentlich hätte er schon in den Ruhestand wechseln sollen. «Wenn ich aufhöre, folgt aber keiner mehr nach», sagt der 66-Jährige. Zum einen gebe es nicht genügend Mittel für die Stelle, andererseits sei es schwierig, im ländlichen Raum Personal zu finden.

«Es gibt Stellen, die zwei Mal ausgeschrieben werden müssen, bis sich jemand bewirbt, und wenige Ausnahmen, in denen dies öfter geschieht», sagt Ulrike Mattern. Meist seien Orte betroffen, die nicht so günstig lägen. Insgesamt habe die Ekbo aber noch keine Not, Pfarrstellen zu besetzen.

Die evangelische Kirche versucht bewusst, einen kleinen Personal-Überhang zu halten, um für die Zeit der Ruhestände gewappnet zu sein. Im Bistum Görlitz liegt das reguläre Pensionsalter für Priester laut Alfred Hoffmann bei 70 Jahren, eine Verlängerung bis zum 75. Lebensjahr sei möglich.

Neue Strukturen sollen im Erzbistum Berlin helfen, personelle Engpässe zu überwinden. «Der Nachwuchs an pastoralen Mitarbeitern, nicht nur bei Priestern, geht zurück. Mit den neuen Strukturen können wir perspektivisch einigermaßen solide planen», sagt Stefan Förner.

Durch die Corona-Krise haben die Gemeinden teilweise wieder an Mitgliedern gewonnen. Doch die Zahl der Taufen hat sich den Angaben nach bei beiden Konfessionen zuletzt etwa halbiert.

Durch coronabedingte Hygienebeschränkungen gab es auch weniger Gottesdienste. «Wir sind mitten in einem Kreativitätsschub und einer digitalen Transformation», sagt Ulrike Mattern. Die Resonanz auf digitale Gottesdienstangebote sei gut. Der Trend zur Nutzung von Streaming- und Onlineangeboten nehme auch in der evangelischen Kirche zu. «Von März bis Dezember 2020 haben mehr als eine halbe Million Menschen rund 3000 unserer digitalen Veranstaltungen als Livestream, Zoom-Gottesdienst oder als Andacht auf Youtube und Instagram angesehen», sagt die Ekbo-Sprecherin.

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