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Kirche in der Pandemie: Weniger Worte, mehr konkrete Hilfen

Eine Wolkenfront zieht hinter einem Wegkreuz über die im Sonnenuntergang liegende Berglandschaft. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild

München (dpa) - Die Kirchen müssen stärker auf die Bedürfnisse Einzelner eingehen - diesen Schluss zieht der evangelische Wohlfahrtsverband Diakonie aus einer Studie zum Lebensgefühl während der Corona-Krise. «Wir haben zu lernen, näher bei den Menschen zu sein» sagte der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, am Montag in Berlin, wo die Befragung auch in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München vorgestellt wurde. Die Kirchen seien versucht, das immer gleiche abzuspulen. «Wir gehen immer noch in Konfektionsgrößen mit den Menschen um, das funktioniert nicht», kritisierte Lilie. Für die qualitative Studie wurden 50 Menschen entsprechend dem Querschnitt der Bevölkerung ab Herbst 2020 innerhalb eines Jahres dreimal befragt. Dabei ging es unter anderem um ihren Alltag unter Corona-Bedingungen. 31 der Befragten waren evangelisch, davon 8 aktiv. Auch Menschen ohne Religion, Katholiken sowie Mitglieder anderer Glaubensrichtungen wie dem Islam oder dem Judentum wurden befragt.

Dabei ging es auch um die Rolle von Kirche. Nach Ansicht von Christian Albrecht von der Evangelisch-Theologischen Fakultät der LMU verpufften große, öffentliche Stellungnahmen der Kirchen während der Corona-Krise. Die Menschen erwarteten weniger das Ansprechen großer Lebensfragen und mehr ein Eingehen auf konkrete Alltagsbedürfnisse, etwa in einer tröstenden Predigt oder einem aufbauenden Gottesdienst. «Was in der Kirche an großen und allgemeinen Worten gesagt wird, löst diesen Anspruch nur bedingt ein», sagte der Theologe. Im Mittelpunkt müsse viel häufiger die Frage stehen: «Wie geht es Ihnen?».