Bericht:

Keine Rettungsgasse: Bußgeldstelle zählt 336 Verstöße!

Fahrer von PKW und LKW bilden auf der Autobahn eine Rettungsgasse. Foto: Holger Hollemann/Archivbild. dpa
Brandenburger News: -

Potsdam (dpa/bb) - In Brandenburg hat die Polizei im vergangenen Jahr 336 Verstöße im Zusammenhang mit Rettungsgassen registriert. Gezählt wurden Verfahren, bei denen Polizei- oder Rettungswagen behindert oder gefährdet wurden oder es durch die fehlende Gasse sogar zu Unfällen kam. Das teilte das Polizeipräsidium Brandenburg auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. «Man sollte immer daran denken: es könnte auch einmal um einen selber gehen, der schnell Hilfe braucht», sagte Polizeisprecherin Stefanie Klaus mit Blick auf die Zahl. Allein in Westbrandenburg wurden bis August vergangenen Jahres 276 Verstöße registriert. Zahlen aus den Vorjahren gibt es nicht, da der Tatbestand erst seit Oktober 2017 neu in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen wurde und seitdem auch registriert wird. Vermutlich fiel die Zahl so hoch aus, weil Beamte der Direktion West nach der Gesetzesverschärfung mit Motorrädern Kontrollen fuhren und Verstöße registrierten. «Häufig haben die Polizisten, die auf dem Weg zum Unfall sind, ja nicht die Zeit, auch noch Verstöße zu notieren», sagte Polizeisprecherin Klaus. Auch in diesem Jahr soll es solche Kontrollen geben.

Im Oktober 2017 wurden die Regeln für Rettungsgassen-Sünder verschärft: Wer auf Autobahnen oder Straßen außerorts bei stockendem Verkehr keine Rettungsgasse frei lässt, muss mit Bußgeldern ab 200 Euro aufwärts und zwei Strafpunkten in Flensburg rechnen. Werden andere dadurch gefährdet oder kommt es zu einem Unfall, drohen sogar bis zu 320 Euro Strafe und ein Monat Fahrverbot. «Obwohl das Thema seit längerem immer wieder in der Öffentlichkeit diskutiert wird und auch die Bußgelder bei Verstößen deutlich erhöht wurden, müssen Feuerwehren und Notärzte leider immer wieder davon berichten, wie schwer sie zu den Unfallstellen vordringen», sagte Jana Wierik vom ADAC Berlin-Brandenburg auf Nachfrage.

Egal ob Baustellenbereich oder nicht, es gelten immer dieselben Regeln zur Bildung einer Rettungsgasse, heißt es vom Verkehrsclub: Auf Autobahnen und Straßen mit mehreren Fahrstreifen weichen die Fahrzeuge auf der linken Spur nach links, Fahrzeuge auf den übrigen Fahrstreifen nach rechts aus. Vermutlich wüssten noch immer viele nicht, dass die Gasse unverzüglich gebildet werden muss, sobald der Verkehr stockt und nicht erst, wenn das Blaulicht im Rückspiegel auftaucht, erklärte Wierik. «Wenn man erst einmal steht, ist es schwer, zu rangieren.» Oft werde die Gasse auch wieder zugestellt, wenn das erste Blaulicht vorüber ist, meist folgten aber weitere Rettungswagen.

Anfang Juni 2018 hatte ein Unfall in Brandenburg für Aufsehen gesorgt, weil ein Notarzt an einer engen Baustelle auf der A24 fünf Kilometer laufen musste, um zwei Schwerverletzte zu versorgen. Den Fahrern war es nicht möglich, zwischen zwei engen Fahrstreifen eine Rettungsgasse frei zu machen. Insgesamt 23 000 Euro Bußgeld forderte die Polizei in Baden-Württemberg von 100 Autofahrern, die Anfang März nach einem schweren Unfall auf der A5 in der Nähe von Bruchsal bei Karlsruhe keine Rettungsgasse gebildet hatten. Ein 47-jähriger Lastwagenfahrer wurde bei einem Unfall schwer verletzt und musste von der Feuerwehr aus seinem Fahrzeug befreit werden.

Und auch in Nordrhein-Westfalen beklagte die Feuerwehr nach einem Unfall Ende Februar, dass ihre Arbeit erschwert worden sei, weil keine Rettungsgasse existierte. Bei dem Unfall auf der A40 in Essen wurden acht Menschen verletzt, darunter drei Kinder im Alter von zehn Monaten sowie zwei und elf Jahren. Zum 1. April scherzte die Brandenburger Polizei und stellte auf Twitter ihren angeblichen Rettungsgassen-Roller vor: In dem Video düsen zwei Polizisten mit dem elektrisch angetriebenen Gefährt und Blaulicht zum Stau auf die Autobahn. Unter dem Hashtag #Aprilscherz machte die Polizei in einem kleinen Film zugleich aber deutlich, worum es ihr eigentlich geht: «Scherz beiseite!! Die Rettungsgasse ist für ALLE Rettungskräfte notwendig und kann Leben RETTEN!». In der Facebook-Gruppe " Brandenburger News- Leben" finden Sie weitere Nachrichten aus der Region: Klicke hier!

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