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Kammern beklagen Ungleichbehandlung von Friseur und Kosmetik

Blick durch das Schaufenster in einen vorübergehend geschlossenen Friseursalon. Foto: Christian Charisius/dpa

Potsdam/Cottbus/Frankfurt (Oder) (dpa/bb) - Die unterschiedliche Herangehensweise Brandenburgs bei der Öffnung von Friseursalons und Kosmetikläden in der Corona-Pandemie sorgt für Unverständnis bei Handwerkskammern und Betrieben. Sie kritisieren, dass für Kosmetikläden immer noch Unsicherheit herrsche und sie nicht wie Friseurläden am 1. März öffnen dürfen.

«Eine Öffnung auch für unsere Kosmetikbetriebe zumindest zu diesem Zeitpunkt wäre genauso gerechtfertigt», sagte Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam der Deutschen Presse-Agentur. Bund und Länder hätten für die Friseure zutreffend festgestellt, dass es wegen der Bedeutung für die Körperhygiene und der längeren Schließung erforderlich erscheine, die Inanspruchnahme zu ermöglichen, da erhebliche Teile der Bevölkerung, insbesondere ältere Menschen, auf diese angewiesen seien. «Diese Gründe gelten aber so auch uneingeschränkt für das Kosmetikhandwerk», betonte er.

Ähnlich äußerte sich der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für die Region Ostbrandenburg, Frank Ecker. «Diese Differenzierung macht aus unserer Sicht keinen Sinn, weil auch in diesem Gewerk hohe Hygienestandards gelten.» Die Handwerkskammer Cottbus, zuständig für Südbrandenburg, kritisierte, dass Kosmetiker keine Chance erhielten, wenigstens Teile ihrer Dienstleistungen anbieten zu können. Die Betriebe hätten Hygienekonzepte ausgearbeitet. «Mit den Schließungen aus dem Frühjahr 2020 sind es schon fünf Monate, die diese Branche schwerstens belasten und in die Knie zwingen», warnte Geschäftsführerin Manja Bonin.

«Ich bin maßlos enttäuscht, so kann es nicht mehr weitergehen», sagte Mandy Rechenberger, Kosmetikermeisterin in Zeuthen (Dahme-Spreewald) und Obermeisterin der Kosmetikerinnung. «Wir tragen Schutzhandschuhe, FFP2-Masken, darüber noch ein Visier», berichtete sie über die Hygieneschutzmaßnahmen. Sie selber arbeite bei der Maniküre hinter einer Plexiglasscheibe, so Rechenberger. Sie behandele zudem nur eine Kundin pro Stunde und desinfiziere danach jede Oberfläche, lüfte den Laden. «Die Friseure arbeiten an Haaren, wir an der Haut, dem größten Organ des Menschen», begründete die Obermeisterin ihre Forderung nach einer raschen Wiederöffnung.

Kosmetikerin Christin Schmidt kann das nur unterstreichen. «Ich glaube, die Politik unterscheidet nicht zwischen dekorativer und pflegender Kosmetik», sagte Schmidt, die eine Haus - und Fußpflegepraxis in Wriezen (Märkisch Oderland) betreibt. In der Corona-Pandemie habe sie festgestellt, dass viele Menschen von dem Beruf der Kosmetikerinnen keine Vorstellung haben. Es gehe nicht allein nur ums Schminken. Hauptschwerpunkt ihrer Arbeit sei die kosmetische Behandlung von unreiner, irritierter und schuppiger Haut, erklärte Schmidt. «Die Kunden leiden extrem unter der Nichtversorgung». Solch eine Behandlung sei vor allem im Winter unerlässlich, schätzte sie ein. Es gehe um die Gesunderhaltung der Haut, damit Viren und Bakterien keine Chance haben.

Auch die Öffnung der Friseursalons am 1. März kommt für die Kammern zu spät. «Wir sind sehr enttäuscht, dass die Friseure nicht schon diesen Montag aufmachen können», betonte Ecker. «Es grassieren reine Existenzängste.» Manja Bonin hält die Öffnung für Friseurbetriebe ab 1. März für «längst überfällig». Sie hätten ihre Hygienestandards auf ein Höchstmaß erweitert, insofern sei die Schließung im Dezember ungerechtfertigt gewesen, betonte die Geschäftsführerin der Handwerkskammer Cottbus. Ähnlich äußerte sich der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam, Ralph Bührig. «Wir hätten uns eine Öffnung auch eher vorstellen können.»

Nadine Potrafke, Friseurmeisterin aus Neuenhagen (Märkisch Oderland) hatte gegen die Schließung ihres Salons geklagt. Die Klage wurde am vergangenen Donnerstag vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg abgewiesen - für Potrafke «nicht nachvollziehbar». Es gebe keine Rechtfertigung für die Schließung der Friseurläden, alles basiere nur auf dem Infektionsschutzgesetz, kritisierte sie. Friseursalons seien aber erwiesenermaßen keine Corona-Hotspots. Es habe ihr zufolge keinen einzigen gemeldeten Fall einer Corona-Infektion in Brandenburg gegeben. Der Öffnung am 1. März sehe sie mit Freude entgegen, vor allem für ihre fünf Mitarbeiter, sagte Potrafke, die sich als Mitglied der Initiative «Friseure in Not» stellvertretend für die rund 7 000 Friseure in Brandenburg engagiert. «Die Rücklagen in den Friseurbetrieben sind aufgebraucht.»

Ecker hat noch ein anderes Problem ausgemacht. Seiner Einschätzung nach habe die Region Ostbrandenburg bei Friseuren mit «Schwarzarbeit» und «Schattenwirtschaft» zu kämpfen. Zahlreiche Kunden würden nach Polen zum Friseur gehen, denn dort seien die Salons geöffnet, beschrieb der Hauptgeschäftsführer die Situation. Es gebe ungenügende Sicherheitskontrollen an der Grenze bei der Wiedereinreise nach Deutschland. Auch das Frisieren in «Hinterzimmern» sei ein Risiko. «Man nimmt in Kauf, dass die Ansteckungsgefahr damit viel größer ist», kritisierte Ecker.

Für die Einreisekontrolle nach Deutschland ist die Bundespolizei zuständig. Die Landespolizei darf nach Angaben des Innenministeriums lediglich im Rahmen der normalen Streifentätigkeit stichprobenartige Kontrollen vornehmen oder im Zuge der Amtshilfe bei Kontrollen durch die Gesundheitsämter unterstützen. Im Zeitraum vom 16. Dezember 2020 bis zum 4. Februar hat die Polizei dem Ministerium zufolge im Rahmen der normalen Streifentätigkeit rund 2 500 Kontrollen in Grenznähe im Zusammenhang mit der Quarantäneverordnung durchgeführt. Für alle Einreisenden aus Polen gilt eine zehntägige Quarantänepflicht. In der Facebook Gruppe „Brandenburg - Mein Bundesland“ findet man weitere interessante Informationen! Klicke hier:   

 

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