Jeder Zweite fühlt sich von Nachrichtenflut im Netz überfordert

Jeder Zweite fühlt sich von Nachrichtenflut im Netz überfordert
Jeder Zweite fühlt sich von der Nachrichtenflut im Netz häufig überfordert. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom hervor. Demnach wissen 58 Prozent oft nicht, welchen Nachrichten im Internet sie vertrauen können. 62 Prozent reduzieren ihren Nachrichtenkonsum manchmal bewusst, wenn sie die Informationsflut überfordert. Die Hälfte der Befragten verfolgt mehrmals täglich im Internet die Nachrichten, weitere 32 Prozent tun dies einmal täglich, 13 Prozent immerhin mehrmals pro Woche.
Nur fünf Prozent informieren sich seltener. Das Bedürfnis nach Orientierung bei Nachrichten im Internet ist aktuell extrem groß: 90 Prozent der Menschen, die online Nachrichten aufnehmen, wünschen sich angesichts der Nachrichtenfülle den einen Ort im Netz, an dem sie verlässliche und wahre Informationen finden. Insgesamt konsumieren 90 Prozent der deutschen Internetnutzer ab 16 Jahren online Nachrichten zu aktuellen Ereignissen und dem Zeitgeschehen aus Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Sport oder Kultur. Die Frage danach, welche Quellen sie dafür in der Regel aufrufen, ergibt ein vielfältiges Bild: Am meisten werden Nachrichten-Webseiten oder Apps genutzt (78 Prozent). Dahinter folgen soziale Medien, über die sich 44 Prozent informieren. Ein Viertel (27 Prozent) informiert sich über Messenger-Dienste, 26 Prozent per Video über YouTube-Kanäle und 18 Prozent hören Podcasts zu aktuellen Ereignissen bzw. dem Zeitgeschehen. 17 Prozent haben E-Mail-Newsletter oder spezielle Briefings abonniert. Betrachtet man die überwiegend genutzten Nachrichten-Websites und Apps näher, ergibt sich folgendes Bild: 47 Prozent informieren sich in der Regel über Webseiten und Apps von klassischen überregionalen, lokalen oder internationalen Printmedien. 44 Prozent informieren sich über Webseiten oder Apps von öffentlich-rechtlichen sowie privaten Fernseh- und Radiosendern. Dahinter folgen die Startseiten von Internetzugangsprovidern (35 Prozent), Webseiten oder Apps von Fachmedien beispielsweise zu Themen wie Mobilität oder Sport (21 Prozent) sowie News-Webseiten, die ausschließlich online erscheinen (16 Prozent). 11 Prozent geben an, sich auf Seiten von Redaktions- und Rechercheverbünden zu informieren. In welcher Form werden Nachrichten am liebsten konsumiert: Das Lesen von Texten ist bei 48 Prozent am beliebtesten, wobei dieser Wert bei den Älteren ab 65 Jahren (59 Prozent) mehr als doppelt so hoch ist wie bei den Jüngeren unter 30 Jahren (28 Prozent). 20 Prozent schauen am liebsten Bilder mit kurzen Texten an, wie sie vor allem in Sozialen Medien verbreitet werden, wobei dies 30 Prozent der Generation U30 von sich sagen und nur zehn Prozent der Gruppe ab 65 Jahren. 17 Prozent bevorzugen Bewegtbild, also Videos (16-29 Jahre: 26 Prozent; 65+: 15 Prozent). Und jeder Zehnte (elf Prozent) hört am liebsten Audio-Beiträge oder Podcasts. Wer sich online über aktuelle Ereignisse und das Zeitgeschehen informiert, bringt dafür täglich durchschnittlich 48 Minuten auf. Bei knapp einem Viertel (23 Prozent) sind es sogar mehr als 60 Minuten. Unter denjenigen, die sich über Soziale Medien oder Messenger zu aktuellen Ereignissen und dem Zeitgeschehen informieren, gibt es klare Favoriten - aber auch klare Altersunterschiede: Bei den Unter-30-Jährigen ist Instagram mit 90 Prozent der Spitzenreiter. Mit weitem Abstand folgen in dieser Altersgruppe WhatsApp (50 Prozent), Tiktok (44 Prozent), Facebook (39 Prozent), X bzw. Twitter (27 Prozent) und Snapchat (22 Prozent). Bei den Über-30-Jährigen spielt Facebook (68 Prozent) die größte Rolle beim Nachrichtenkonsum in Sozialen Medien, gefolgt von WhatsApp (67 Prozent), Instagram (50 Prozent), Telegram (24 Prozent), Tiktok (23 Prozent), X (17 Prozent) und LinkedIn (13 Prozent). Nicht nur in Sozialen Medien, sondern generell beim Nachrichtenkonsum im Netz werden regelmäßig nur die Überschriften und nicht die ganzen Artikel gelesen: Mehr als die Hälfte (54 Prozent) tut dies nach eigener Aussage sogar häufig. Gleichzeitig kritisieren 86 Prozent derjenigen, die online Nachrichten konsumieren, dass die Überschriften oft mehr versprechen, als letztlich im Artikel steht. 88 Prozent empfinden Überschriften zu oft als reißerisch und auf Klicks ausgerichtet. 85 Prozent der Internetnutzer stimmen der Aussage zu, es sei insgesamt schwer, den Wahrheitsgehalt einzelner Meldungen zu überprüfen. Ebenso viele (85 Prozent) sind der Meinung, dass Falschmeldungen den gesellschaftlichen Zusammenhalt zerstören. Drei Viertel (76 Prozent) sehen Falschmeldungen als mitverantwortlich dafür, dass extreme Parteien in Deutschland an Einfluss gewinnen. Zwei Drittel (67 Prozent) derjenigen, die sich im Internet über aktuelle Ereignisse und das Zeitgeschehen informieren, haben in den vergangenen zwölf Monaten Falschmeldungen wahrgenommen, davon elf Prozent häufig, 31 Prozent gelegentlich und 25 Prozent selten. 18 Prozent haben keine Falschmeldungen wahrgenommen, 15 Prozent sind sich nicht sicher oder machen dazu keine Angabe. Im Jahr 2021, während der Hoch-Zeit der Corona-Pandemie und dem Jahr der Bundestagswahl, hatten in einer Bitkom-Studie unter Nutzern sozialer Medien noch 92 Prozent angegeben, auf Fake News gestoßen zu sein. Der Mehrheit (51 Prozent) sind in den vergangenen zwölf Monaten Falschnachrichten zum Thema Flüchtlinge und Zuwanderung aufgefallen. 47 Prozent haben Falschmeldungen zum Thema Russland und ebenso viele zum Angriffskrieg auf die Ukraine bemerkt. 43 Prozent haben auch Falschmeldungen zum Israel-Gaza-Krieg und 41 Prozent insgesamt zum Thema Politik und Parteien in Deutschland wahrgenommen. 40 Prozent haben Falschmeldungen zur Umwelt- und Klimakrise gesehen, 37 Prozent zu Demonstrationen und Protesten in Deutschland, 35 Prozent zu Prominenten. Eine breite Mehrheit von 90 Prozent der Internetnutzer spricht sich in diesem Zusammenhang dafür aus, dass bereits in der Schule gelehrt werden sollte, wie man Falschmeldungen und Fake-News identifizieren kann. Bei der Überprüfung von Falschmeldungen bzw. Fake News sehen 32 Prozent die sozialen Netzwerke in der Pflicht, 16 Prozent eine unabhängige Einrichtung und zwölf Prozent den Staat. Fast ein Drittel (31 Prozent) findet, jede einzelne Person sei für die Überprüfung einer Nachricht in Sozialen Medien auf ihren Wahrheitsgehalt hin primär selbst zuständig. Nur drei Prozent meinen, niemand solle Falschmeldungen prüfen - die Netzwerke sollten vielmehr das Teilen aller Meinungen unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt ermöglichen. Zwar können 80 Prozent wegen Künstlicher Intelligenz (KI) nicht sicher sagen, welche Fotos und Videos im Netz überhaupt echt sind, zugleich würde es aber ein Drittel (33 Prozent) nicht stören, Online-Artikel zu lesen, die von einer KI geschrieben wurden. 30 Prozent fänden es gut, wenn ihnen eine KI passende Nachrichten-Inhalte vorschlägt. Sehr eindeutig ist die Forderung nach Transparenz: 92 Prozent finden, Nachrichten-Artikel sollten gekennzeichnet werden, wenn eine KI an ihrer Erstellung beteiligt war.

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