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Impfen am Strand: Brandenburg wirbt für Piks gegen Corona

Ein Schild mit der Aufschrift «Mundschutzpflicht». Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

Potsdam (dpa/bb) - Die Brandenburgerinnen und Brandenburger können sich ihre Corona-Impfung bald möglicherweise am Strand statt beim Arzt holen. Das Land will nach dem Ende der Sommerferien eine Werbeaktion starten, die sich zum ersten Mal auch an jüngere Menschen richten soll. «Wir wollen einen Paradigmenwechsel: Der Impfstoff soll zu den Menschen kommen, nicht wie bislang die Menschen zum Impfstoff», sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Dominik Lenz.

Es werde überlegt, wie den Brandenburgern ein unkompliziertes Impfangebot gemacht werden könne. «Impfen auf Parkplätzen, am Strand und auf Festivals, ohne Termin», sagte Lenz. Dazu gebe es Gespräche mit den Kommunen.

Fünf bis zehn Prozent der Brandenburgerinnen und Brandenburger, die einen Termin für die Corona-Schutzimpfung haben, lassen ihn nach Ministeriumsangaben ohne Absage platzen. Seit etwa zwei bis drei Wochen beobachtet das Ressort einen Rückgang. Sprecher Lenz vermutet, dass es an den Sommerferien liegt, aber auch die Lockerungen und niedrige Sieben-Tage-Inzidenzen könnten die Impfbereitschaft dämpfen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg bemerkt den Rückgang ebenfalls - in den Impfzentren und bei niedergelassenen Ärzten. Demnach ließen sich in der zweiten Juniwoche etwa 154.300 Menschen in Praxen und Zentren impfen; vergangene Woche waren es rund 80.500.

Vollständig geimpft sind in Brandenburg bisher rund 950.000 Menschen, was einem Anteil von 37,7 Prozent der Bevölkerung entspricht. Damit ist das Land im bundesweiten Vergleich weiter Schlusslicht. Die Landesregierung peilte zu Jahresbeginn eine Impfung von 70 Prozent der Bevölkerung an - das wären für Brandenburg 1,75 Millionen Menschen. Eine Erstimpfung haben fast 1,4 Millionen Menschen, das sind 53,7 Prozent.

Die Landesregierung riet deshalb dringend zur Impfung. «Mit Blick auf die infektiösere Delta-Variante, die auch in Brandenburg auf dem Vormarsch ist, ist Vorsicht geboten», sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). Es sei genug Impfstoff vorhanden. Gesundheitsstaatssekretär Michael Ranft sagte: «Noch hat Brandenburg nicht ausreichend Impfschutz, um die vierte Welle zu brechen.»

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Steeven Bretz, sorgt sich ebenfalls um die zurückgehende Impfbereitschaft. «In begrenztem Umfang Anreizsysteme zu bieten, ist durchaus richtig», bemerkte er. Das könne auch ein Museumsgutschein oder eine freie Dampferfahrt auf der Havel sein, sagte Bretz der «Märkischen Allgemeinen» (Freitag) auf eine entsprechende Frage. Jeder Unternehmenschef, jeder Vereinsvorsitzende solle für das Impfen werben. Linksfraktionschef Sebastian Walter kann sich Impfangebote auch in Gaststätten vorstellen. «Selbstverständlich aber mit geschultem Personal.»

Das Kabinett hat derweil die bestehenden Corona-Regeln bis Ende Juli verlängert, wie die Staatskanzlei mitteilte. Damit gilt unter anderem weiter eine Maskenpflicht in öffentlich zugänglichen Räumen wie in Geschäften und im Nahverkehr. Auch die Hygiene- und Abstandsregeln müssen im öffentlichen Bereich weiter eingehalten werden. Am 20. Juli will das Kabinett über die nächste Corona-Verordnung beraten. Dann geht es auch um das kommende Schuljahr und um die Umsetzung des Beschlusses der Staatskanzleichefs, Großveranstaltungen unter Voraussetzungen mit bis zu 25.000 Gästen möglich zu machen.

© dpa-infocom, dpa:210709-99-322394/5


 
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