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Grüne Woche ist abgesagt: Impfzentrum Messe macht weiter

Fahnen der Internationalen Grünen Woche wehen am Messeeingang in Berlin. Foto: Christoph Soeder/dpa/Archivbild

Berlin (dpa/bb) - Die Infektionszahlen bleiben auf hohem Niveau. Die Folgen sind immer deutlicher sichtbar. Der Bedarf an Impfungen steigt wieder an, die Angebote dafür reichen nicht mehr aus. Veranstaltungen wie die Grüne Woche können nicht mehr stattfinden. Und manche Mediziner befürchten noch viel Schlimmeres.

GRÜNE WOCHE ABGESAGT

Die Grüne Woche 2022 fällt aus. Acht Wochen vor der geplanten Eröffnung sagten die Veranstalter die Agrar- und Ernährungsmesse am Freitag ab. Angesichts der Wucht der vierten Corona-Welle werde es im Januar und Februar keine Großveranstaltungen geben, teilte die Messe Berlin mit. Nach einer Online-Ausgabe 2021 sollte die Grüne Woche am 21. Januar 2022 eigentlich wieder zehn Tage lang für Besucher öffnen. Geplant war, die Hallen am Berliner Funkturm nur für Geimpfte und Genesene zu öffnen (2G) - ohne Masken und Abstandsregeln.

IMPFZENTRUM MESSE

Eigentlich hätte das Impfzentrum auf dem Messegelände an seinem bisherigen Platz bald schließen müssen. Geplant war, dass es von Halle 21 Mitte Dezember ins ICC umziehen sollte. Nun kann es bleiben, wo es ist und bleibt bis Februar offen, wie Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Freitag auf Twitter mitteilte. «Parallel wird das ICC zum Impfzentrum ausgebaut, so dass wir unser Impfangebot an diesem Standort verdoppeln werden.» Weil die Messehallen nach der Absage der Grünen Woche nun doch nicht gebraucht werden, kann dort nun umso mehr geimpft werden.

BERLIN BEKOMMT WEITERE IMPFSTELLEN

Die Nachfrage nach Impfungen ist größer als das derzeitige Angebot. Deshalb sollen die Kapazitäten ausgebaut werden, wie die Gesundheitsverwaltung angekündigt hat. Am Freitag hat es die ersten Impfungen in der neuen Corona-Impfstelle im Einkaufszentrum Ring-Center an der Frankfurter Allee gegeben. Dort sind den Angaben zufolge bis zu 1000 Impfungen am Tag möglich. Die Impfstelle ersetzt eine deutliche kleinere, in der es rund 400 tägliche Impfungen gegeben hatte. Am Montag soll eine weitere Impfstelle im Freizeitforum Marzahn mit einer Kapazität von 600 täglichen Impfungen an den Start gehen. Am Freitag öffnet noch eine an der Trabrennbahn in Berlin-Karlshorst, in der bis zu 1000 Impfungen am Tag möglich sind.

BIONTECHT-IMPFSTOFF NICHT MEHR FÜR ALLE

In den Impfzentren und Impfstellen soll Biontech-Impfstoff von Samstag an im Wesentlichen nur noch an Menschen unter 30 Jahren und an Schwangere verabreicht werden. Darauf hat Gesundheitsstaatssekretär Martin Matz (SPD) am Freitag im Interview mit dem RBB-Sender 88,8 hingewiesen. «Wir müssen ab morgen die bisher mit Biontech gebuchten Impftermine mit Moderna durchführen», sagte er mit Hinweis auf das Bundesgesundheitsministerium, das in einem Schreiben an die Länder für die nächsten Wochen Begrenzungen bei Bestellmengen für den Biontech-Impfstoff angekündigt hatte.

«Das bedeutet für uns in Berlin, dass wir Biontech beschränken müssen auf die Impfung von unter 30-Jährigen, Schwangeren und von denjenigen, die ihre Erstimpfung vor Kurzem schon mit Biontech erhalten haben und jetzt die Zweitimpfung bekommen», erklärte Matz. Alle anderen Termine würden mit Moderna gemacht.

SITUATION IN DEN KRANKENHÄUSERN SPITZT SICH ZU

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung in Berlin, Burkhard Ruppert, befürchtet eine Triage-Lage an den Kliniken, sollte die Politik nicht umgehend härtere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wie einen Lockdown für Ungeimpfte beschließen. Triage bedeutet, dass Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, welchen Patienten sie zuerst helfen. «Wir müssen jetzt reagieren, weil wir sonst in zwei, drei Wochen das ernten, was wir jetzt säen», sagte Ruppert der Zeitung «nd.DieWoche». «Bei den hohen Infektionszahlen werden uns die Intensivabteilungen um die Ohren fliegen. Wir werden in eine Triage-Situation kommen, wie wir sie noch nie in Deutschland erlebt haben nach dem Zweiten Weltkrieg.»

MÜLLER HÄLT VORGEZOGENE MINISTERPRÄSIDENTENKONFERENZ FÜR UNNÖTIG

Trotz der Pandemielage ist ein Vorziehen der für den 9. Dezember geplanten Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) aus Sicht von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) überflüssig. «In einigen Teilen Deutschlands gibt es bereits Teillockdowns in Hot-Spot-Regionen. Hinzu kommt die Homeoffice-Pflicht, die 3G-Regel am Arbeitsplatz und im ÖPNV», sagte der stellvertretende MPK-Vorsitzende am Freitag. «Die Ampel hat angekündigt, einen Krisenstab einzusetzen. All diese Maßnahmen können erst nach ein bis zwei Wochen überhaupt bewertet werden und messbar wirken.» Daher sei der 9. Dezember für die nächste MPK angesetzt. «Jetzt alle paar Tage eine neue MPK zu fordern, ist vor diesem Hintergrund kaum zielführend.» Unter anderem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verlangt eine frühere Ministerpräsidentenkonferenz, um über strengere Corona-Maßnahmen zu beraten.

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