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Gewalttat in Wohnheim: Drei Mitarbeiterinnen hatten Schicht

Die Gebäude der Einrichtung Oberlinhaus in der Rudolf-Breitscheid-Straße mit dem Thusnelda von Saldern Haus (M). Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Aktuell

Potsdam (dpa/bb) - Knapp eine Woche nach der Gewalttat in einem Potsdamer Wohnheim für Behinderte mit vier Toten und einer Schwerverletzten hat die diakonische Einrichtung weitere Informationen bekanntgegeben. An dem Mittwochabend vergangener Woche hätten wie jeden Abend auf der Station für Wohnpflege im Oberlinhaus in der Spätschicht drei Pflegekräfte die 20 Klienten betreut, bestätigte Oberlin-Sprecherin Andrea Benke am Dienstag. Darunter sei auch die tatverdächtige 51-Jahre alte Pflegekraft gewesen.

Die 51-Jährige soll laut Benke direkt nach der Gewalttat zu ihrem Ehemann nach Hause gefahren sein, der gegen 21.00 Uhr sowohl die Polizei als auch eine Mitarbeiterin in dem betroffenen Thusnelda-von Saldern-Haus alarmiert habe. Daher seien die Todesopfer und die schwer verletzte 43 Jahre alte Bewohnerin bereits vor dem Eintreffen der Polizei von der Mitarbeiterin entdeckt worden. Zuvor hatte die «Märkische Allgemeine» (Dienstag) darüber berichtet.

«Auf der Station für Wohnpflege leben Menschen mit schwerst-mehrfacher Behinderung, die intensivste Assistenz brauchen», erläuterte Benke. Die Klientinnen und Klienten wohnten in Einzelzimmern. Um ihre Privatsphäre zu schützen, erfolge die Pflege bei verschlossenen oder angelehnten Türen. Die 51-jährige Mitarbeiterin habe «als sehr fürsorgliche Kollegin» gegolten. Es habe keine Voranzeichen gegeben, auf die man hätte reagieren müssen, betonte Benke.

Die Sprecherin der Potsdamer Staatsanwaltschaft, Hanna Urban, erklärte, die Tatverdächtige sei zwar vernommen worden, habe sich zu den Tatvorwürfen aber nicht geäußert. Zu möglichen weiteren Ermittlungsergebnissen äußerte sich Urban nicht. Die 51-Jährige war nach der Tat festgenommen und einen Tag später vorläufig in die Forensik der Psychiatrie in Brandenburg/Havel gebracht worden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wiesen die getöteten Bewohner schwere Schnittverletzungen an der Kehle auf.

In dem Thusnelda-von-Saldern-Haus gibt es nach Angaben der diakonischen Einrichtung drei Leistungsbereiche: In einem Wohnbereich könnten Menschen mit schweren Köperbehinderungen eine Heimat finden. Daneben gebe es einen Bereich für «Übergangswohnen», in dem Menschen mit körperlichen Behinderungen oder neurologischen Schädigungen nach Unfällen oder Krankheiten drei Jahre lang an einer Rehabilitation teilnehmen. In der «Wohnpflege» würden Menschen nach Unfällen oder schweren Erkrankungen wie etwa Hirnblutungen versorgt.

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