Generalinspekteur drängt auf "Kriegstüchtigkeit" in fünf Jahren

Generalinspekteur drängt auf "Kriegstüchtigkeit" in fünf Jahren

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, hat sich besorgt über die mutmaßlichen Pläne der russischen Staatsführung geäußert, den Krieg im Notfall auch auf Nato-Gebiet auszuweiten. Kriegstüchtigkeit sei ein Prozess, den Deutschland durchlaufen müsse, sagte er der "Welt am Sonntag". "Aber wir haben nicht endlos Zeit dafür. Denn erstmals seit Ende des Kalten Krieges wird uns ein möglicher Krieg von außen vorgegeben. Wenn ich den Analysten folge und sehe, welches militärisches Bedrohungspotenzial von Russland ausgeht, dann heißt das für uns fünf bis acht Jahre Vorbereitungszeit." Das heiße nicht, dass es dann Krieg geben werde.

"Aber er ist möglich. Und weil ich Militär bin, sage ich: In fünf Jahren müssen wir kriegstüchtig sein", so Breuer. Der Generalinspekteur geht unterdessen davon aus, dass sich die deutschen Zusagen an die Nato verzögern werden: "Ich stehe dafür, dass wir überall mit Ehrlichkeit herangehen, sowohl hier in Deutschland, aber auch bei den der Nato zugesagten Fähigkeiten", sagte Breuer der "Welt am Sonntag". Es werde in der Allianz begrüßt, "dass wir uns auf allen Ebenen ehrlich machen und dass wir auch aufzeigen: Ja, das eine können wir jetzt schon. Aber das andere können wir erst in drei oder vier Jahren. Das machen wir in aller Transparenz", sagte Breuer. Um welche Fähigkeiten es geht, wollte Breuer nicht offenbaren: "Das ist aus gutem Grund militärische Verschlusssache.

Ein Gegner wird seine Erkenntnisse aus allen möglichen Quellen ziehen, auch aus Zeitungen." Die deutschen Streitkräfte steckten ebenso wie die Nato insgesamt in einem Umbruch. "Zur Ehrlichkeit gehört auch der Satz: Das wird jetzt nochmal ein bisschen rumpeln - aber im positiven Sinne", sagte Breuer. Er stehe in ständigem Kontakt mit dem Nato-Oberbefehlshaber in Europa, dem US-General Christopher Cavoli. "Er sagt: Ja, sagt uns bitte, was ihr jetzt schon könnt und ab wann ihr alles könnt. Damit kommen wir viel besser klar, als wenn man ein Wolkenkuckucksheim baut", so Breuer. Ein solches Vorgehen sei besser, "als irgendeine Fähigkeit nur auf dem Papier abzubilden". Deutschland will für die neue Abschreckungs- und Verteidigungsstrategie der Nato künftig 35.000 Soldaten in sehr hoher Bereitschaft halten. Dazu gehören eine voll ausgestattete und einsatzbereite Heeresdivision ab 2025 und eine weitere Division ab 2027.

Hinzu kommen laut Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bis zu 200 Flugzeuge und Schiffe sowie militärische Unterstützungsfähigkeiten. Breuer kündigte auch eine Überarbeitung der Personalobergrenze der Bundeswehr an, die derzeit bei 203.300 Soldaten liegt. Trotz neuer Aufträge für die Streitkräfte sei eine Steigerung aber nicht zwingend. "Es kommt eine Aufgabe dazu und deswegen müssen wir mehr Personal haben? Das ist mir zu einfach", sagte Breuer. "Diesen Automatismus können wir uns nicht mehr leisten. Unbestritten gibt es technische Entwicklungen wie zum Beispiel unbemannte Systeme, mit denen wir effektiver sein können - und das müssen wir mit einer realistischen Sicht auf den Arbeitskräftemarkt verbinden." Ende 2023 lag die Zahl der aktiven Soldaten bei knapp 182.000.



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