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Fünfte Corona-Welle: Landesregierung ruft zu Impfungen auf

Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg, spricht. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Potsdam (dpa/bb) - Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat vor möglichen dramatischen Folgen der Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus gewarnt. «Die Lage ist besorgniserregend», sagte er am Donnerstag in Potsdam in einer Sondersitzung des Landtages zu den Corona-Beschränkungen. «In der vierten Corona-Welle baut sich leider schon eine fünfte Welle auf.»

Wegen der hohen Ansteckungsgefahr durch die Omikron-Variante könne die Infrastruktur gefährdet werden, warnte der Regierungschef. Dazu gehörten neben dem Gesundheitswesen etwa Polizei und Feuerwehr sowie die Energieversorgung. Daher werde im Innenministerium ein Krisenstab eingerichtet, um schnell reagieren zu können. Woidke versicherte, dass die Ministerpräsidenten und die Bundesregierung auch über die Feiertage und den Jahreswechsel bereitstünden, um im Notfall weitere Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus zu ergreifen.

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) sprach von einer «neuen Dimension im Pandemiegeschehen» durch die Omikron-Variante. «Durch die stark gesteigerte Übertragbarkeit und das Unterlaufen des Immunschutzes ist mit einer explosionsartigen Verbreitung bei Verdoppelungszeiten von zwei bis drei Tagen zu rechnen», warnte die Ministerin. Gemeinsam mit Woidke rief sie die Bürgerinnen und Bürger zu Corona-Impfungen auf. Gleichzeitig warnte sie vor möglichen Folgen der zahlreichen Demonstrationen von Impfgegnern. «Wir haben kein Verständnis dafür, dass das Infektionsgeschehen noch angeheizt wird durch Demonstrationen oder Fackelzüge», betonte Nonnemacher.

Auch in Brandenburg steigt die Zahl der bestätigten Fälle der Omikron-Variante des Coronavirus weiter. Nach 36 Fällen am Mittwoch erhöhte sich die Zahl auf 53, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Zu Beginn der Woche waren es noch 19 nachgewiesene Fälle. Allein Potsdam meldete zwölf bestätigte Infektionen. Insgesamt wurden aus neun Kreisen und zwei Städten Ansteckungen mit der Omikron-Variante registriert.

Die Sondersitzung des Landtags war von 18 Abgeordneten der AfD-Fraktion nach den Beschlüssen der Bund-Länder-Konferenz beantragt worden. Fraktionschef Hans-Christoph Berndt forderte in seiner Rede erneut die Abschaffung aller Corona-Beschränkungen und sprach sich vehement gegen eine Impfpflicht aus. Auch zwei Jahre nach Beginn der Pandemie gebe es immer noch keine überzeugenden Untersuchungen zum Infektionsgeschehen, meinte er zur Begründung. Ein entsprechender Antrag der AfD wurde mit großer Mehrheit des Landtags abgelehnt.

Unterdessen sprachen sich die Lehrer-Gewerkschaft GEW und der Landeselternrat Brandenburg für erneuten Wechselunterricht in den Schulen aus. Damit sollte bei steigenden Fallzahlen die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den Lerngruppen deutlich reduziert werden, hieß es am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung. Daher müssten insbesondere die weiterführenden Schulen auf geeignete Formen des Distanzlernens vorbereitet werden.

Als weitere Maßnahme müsse es eine tägliche Testpflicht für Lehrkräfte, Schüler und andere Mitarbeiter an den Schulen geben, forderten GEW und Landeselternrat. Bei einem Wechselmodell müsse für die Jahrgangsstufen 1 bis 4 eine Notbetreuung angeboten werden. Auch ein früherer Beginn und eine Verlängerung der Winterferien seien vorzubereiten.

«Die neue Infektionswelle wird die Schulen mit voller Wucht treffen», warnten der GEW-Landesvorsitzende Günther Fuchs und der Sprecher des Landeselternrats, René Mertens. «Ständig darauf hinzuweisen, dass die Zahl von schweren Verläufen der Corona-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen noch relativ niedrig ist, ist verantwortungslos und unethisch zugleich.» Niemand könne bislang die Langzeitfolgen bestimmen oder diese ausschließen. «Wer jetzt nicht handelt, gefährdet das Kindswohl und lässt die Schulen als Treiber der Pandemie wissentlich zu.»

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