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Ein letztes Mal Startelf: Dann geht der «alte Herr» Khedira

Sami Khedira trifft im letzten Spiel seiner Karriere mit Hertha BSC auf den VfB Stuttgart. Foto: Annegret Hilse/Pool via REUTERS/dpa/Archivbild

Berlin (dpa) - Der Name von Sami Khedira stand bei Pal Dardai schon an der Taktiktafel, bevor der Hertha-Trainer Pal Dardai vom Rücktritt des Ex-Weltmeisters erfuhr. «Sami wird von Anfang an spielen», sagte der Chefcoach vor dem Bundesligafinale am Samstag (15.30 Uhr/Sky) bei der TSG 1899 Hoffenheim. Ein Geschenk an den 34-Jährigen, der seine Profilaufbahn nach Abpfiff beenden wird, soll das keineswegs sein. «Wir sind sehr froh, dass er hier gewesen ist. Der Sportler und der Mensch Khedira haben Großartiges geleistet, dafür bedanken wir uns», sagte Dardai bei einer digitalen Medienrunde am Donnerstag.

Nicht mal einen Tag zuvor hatte der frühere Nationalspieler viele mit der Ankündigung geschockt zurückzutreten. Das hatte er mit sich selbst ausgemacht und niemanden in die Entscheidung einbezogen. «Ich kann nicht mehr das erfüllen, was ich selber von mir verlange», sagte Khedira ganz offen: «Jetzt sitze ich hier als alter Herr.» In Rio gewann er 2014 mit Deutschland den WM-Titel, im selben Jahr mit Real Madrid kurz zuvor die Champions League. Zum Abschied reichte es mit Hertha in einer schweren Situation zum ersehnten Ligaverbleib.

«Ich hätte gerne über eine weitere Zukunft mit ihm gesprochen, dazu kam es leider nicht. Er hat großen Anteil daran, dass wir den Klassenerhalt geschafft haben», sagte Sportdirektor Arne Friedrich. Zwar konnte Khedira aufgrund von Verletzungen nicht so oft auf dem Rasen stehen wie gewünscht, trotzdem trug er zum Erfolg bei. «Sami ist einer der professionellsten Sportler und Fußballer, die ich so miterlebt habe. Er hat jeden Tag alles gegeben», sagte Friedrich.

Der gebürtige Stuttgarter Khedira erlebte in der Hauptstadt eine für ihn ganz neue Situation. «Ich war es immer gewohnt, in anderen Tabellenregionen zu spielen», sagte er und lobte: «Ich bin stolz auf die Mannschaft, weil wir es geschafft haben, mit Pal als Trainer intern einen Spirit zu entwickeln.» Ein neuer Teamgeist habe auch geholfen, dass es zuletzt in sieben Spielen nacheinander keine Niederlage gab. «Ich bin stolz, meinen Teil beigetragen zu haben, so etwas mitzukreieren», sagte der Mittelfeldspieler.

Dank der Millionen-Investitionen von Geldgeber Lars Windhorst soll es für Hertha in den kommenden Jahren nach dem knapp vermiedenen Gang in die Zweite Liga weiter bergauf gehen. Doch dabei sei eben Geduld gefragt, mahnte Khedira: «Das ist ein langsamer Prozess, nach und nach höher zu kommen. Das geht nicht sofort, in der nächsten Saison international zu denken. Das wäre nicht richtig.»

Khedira wird das nur noch von außen beobachten, will nun reisen und den nötigen Abstand zum Fußball bekommen. «Die Möglichkeiten sind ja da. Die Strukturen werden momentan geschaffen», sagte Khedira zur Situation bei den Berlinern: «Ich bin glücklich und dankbar, dass ich zum ersten Schritt in die richtige Richtung etwas beitragen durfte.»

Die Zukunftsplanungen überlässt er aber anderen. «Ich habe kein Mitspracherecht, was die Neuausrichtung betrifft, deswegen möchte ich mich daran nicht beteiligen», sagte Khedira deutlich und wollte ausdrücklich kein Plädoyer für Dardai halten. Noch ist nicht klar, ob der 45-Jährige über den Sommer hinaus Chefcoach bleibt. «Pal hat die Mannschaft erreicht und aufgeweckt. Er war hart, er war lieb, er war absolut der richtige Trainer», sagte Khedira: «Ich kann sagen, dass ich mit Pal unheimlich gerne zusammengearbeitet habe.»

Der künftige Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic sei «eine Bereicherung für Hertha BSC, er wird hier vieles bewirken mit seinem Team», sagte Khedira. Er selbst kann nicht mehr helfen, den «Big City Club» nach Europa zu führen. Trotzdem sagte er: «Ich habe tolle Teamkameraden erleben dürfen. Ich hatte eine unheimlich tolle Zeit hier.» Diese soll am besten mit einem letzten Sieg in Hoffenheim enden.

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