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Digitalisierung: Fluch oder Segen für die Versicherungsbranche?

Foto: Thomas Hajek von „netinsurer IT Services“ der HKR GmbH
Unternehmens-Nachrichten: -

In Europa ist der Begriff „Digitalisierung“ bei Kleingewerbe, Mittelständlern und Industrie angekommen. Die meisten Unternehmen erkannten nach kurzer Zeit die Vorteile und den oftmals hohen Nachholbedarf, wie auch die laufenden Investitionen, in Zeit und Geld, für die Anpassung in technische Neuerungen. Speziell in Dienstleistungsbranchen, wie Bank, Investmentfonds oder Versicherungen nimmt die Digitalisierung immer mehr Platz ein. Zunächst vollzog sich dies, für den Außenstehenden fast unbemerkt, in Verwaltungssystemen. Durch Nutzung des Internets als Informations- und Kommunikationsquelle, stiegen auch traditionelle Unternehmen immer mehr in den digitalen Vertrieb ein, um up-to-date zu bleiben.

Durch vermehrte Nutzung des Internets als Informations- und Kommunikationsquelle, stiegen auch traditionelle Unternehmen immer mehr in den digitalen Vertrieb ein, um up-to-date zu bleiben. In der Versicherungsbranche, die in erster Linie durch freie Vertriebsmitarbeiter den Kontakt zum Kunden hat, birgt dies Konfliktpotenzial. Weiter sind viele verwaltungstechnische Systeme, die auf lange Zeiträume ausgelegt sind, mit der Veränderungsgeschwindigkeit der heutigen Onlinewelt, im Tagesgeschehen nur schwer kompatibel. Aus den hieraus entstandenen „Anforderungsprofilen für Unternehmen“ entstand eine neue „Industrie“, an jungen Unternehmen: „Startup’s“. In der Versicherungs-, Finanzdienstleistungswelt sind dies FinTech’s.

In welcher Form diese Unternehmen auch auftreten, ob als Dienstleister oder z.B. Versicherungsmakler, sie sorgen für Aufregung, verbreiten Unruhe bis hin zu Angst, da sie eingelaufenen Strukturen, wie auch Vertriebswege mit und auf Grund der heutigen technischen Möglichkeiten, in Frage stellen. Ob diese Unternehmen Fluch oder Segen sind, dürfte der falsche Überlegungsansatz sein, da die Digitalisierung weltweit in vollem Gange ist und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist.  Durch die Gemeinsamkeit neuer europäischer Verordnungen, wie IDD und DSGVO, ist ein Blick ins europäische Ausland und speziell in den deutschsprachigen Raum hilfreich, um den erweiterten Blickwinkel zur Lösung heimischer Herausforderungen zu nutzen.  

Neben Deutsch als Landessprache hat Österreich, historisch bedingt, eine ähnliche Entwicklung in der Versicherungsbranche wie Deutschland. Somit stehen Versicherer, Versicherungsmakler und-vertreter, wie auch Fintech‘s weitestgehend vor vergleichbaren Herausforderungen wie hierzulande.

Unter Bezug auf eine Studie von Sopra Steria Consulting und dem F.A.Z-Institut, dem „Branchenkompass Insurance 2017“, veröffentlichte AssCompact Österreich im März 2018, dass bei einer Online-Umfrage bei 85 Versicherern „das Verhältnis zu Insurtechs gespalten ist: 46% betrachten diese als große Herausforderungen, 47% wollen aber auch die Zusammenarbeit ausbauen.“ Was bemerkenswert ist, „Mehr als zwei Drittel (69%) wollen Insurtech-Lösungen integrieren oder nutzen sie bereits.“  

Daher die provozierende Frage an den Chef von „netinsurer IT Services“ ( HKR GmbH ), einem der wohl erfolgreichsten FinTech-Unternehmen Österreichs, Mag. Thomas Hajek: „Sehen Sie den Beruf des Versicherungsvermittlers, egal ob Ausschließlichkeit, Makler oder Honorarberater, durch die Digitalisierung  gefährdet?“

Thomas Hajek: „Diese Frage wird mir öfter gestellt und ich sehe, wie auch Studien belegen, dass wir fachlich qualifizierte Beratung, Digitalisierung hin oder her, immer brauchen. Daher sollte die Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft in erster Linie als eine Automatisierung von immer sich wiederholenden Tätigkeiten gesehen werden. Dass der gesamte Prozess bis zum Abschluss einer Versicherung, also von der Bedarfsfindung über die Risikoanalyse bis zum Abschluss einer Versicherung durch den Kunden alleine erfolgen kann, wäre technisch schon jetzt möglich, aber gesellschaftlich wäre ein Paradigmenwechsel erforderlich, den ich derzeit nicht sehe.“

Wo sehen Sie die digitale Herausforderung für Dienstleister zu Versicherungsunternehmen, -maklern und -vertrieben?

Thomas Hajek: „Wir müssen unsere Kunden, ob Versicherer oder Makler dort abholen wo Sie sich heute befinden. Daher haben wir uns für den Aufbau eines modularen Systems entschieden. Ist z.B. bereits ein Tarifrechner vorhanden, warum sollte ein Kunde nochmals Geld für den vorhandenen Rechner in die Hand nehmen, wenn er nur um eine Online-Abschlussstrecke erweitern möchte. Für ihn zählt, dass er möglichst schnell, bei geringster Bindung von Ressourcen im eigenen Hause, eine standardisierte Version erhält, die auf seine Situation individualisiert, angepasst wird. In unserem Beispiel würde er z.B. ein Modul mit der Abschlussstrecke vom vorhandenen Tarifrechner benötigen.  Wird die Nutzung unserer externen Abschlussplattform mit Überführung der Policen, quasi „schrankfertig“ in das Verwaltungssystem des Versicherers benötigt, ergänzt der Auftragsgeber jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt um ein weiteres Modul.“

Frage: Bisher war überwiegend von Versicherern, großen Maklern und Vertrieben die Rede, was benötigt der, landläufig als Versicherungsvertreter bezeichnete, Vertrieb konkret?

Thomas Hajek: „Auf Grund der umfangreichen europäischen Regularien IDD und DSGVO, sehe ich für Vermittler in der Digitalisierung und Automatisierung von Verwaltungsarbeiten die optimale Chance, zum einen Gesetze einzuhalten, zum anderen den Kunden umfassend und effizient zu beraten. Auch hier gehen wir den modularen Weg und holen Vermittler dort ab, wo sie sich digital befinden. Hat ein Makler oder Ausschließlichkeitsmitarbeiter ein Bestandsverwaltungssystem, so nutzt er unseren Versicherungsassistenten als Beratungstool und dockt diesen an sein System an. Dies gilt auch für Tarifrechner und Vergleichsprogramme. Der Versicherungsassistent versetzt Kunden und Berater in die Lage, ein „natürliches“ Gespräch zu führen.  Der Versicherungsassistent ist der Moderator, der durch das Gespräch führt, sodass kein Aspekt bei der Vielfältigkeit der Themen untergeht. Am Ende eines Gespräches steht den Gesprächspartnern die im Hintergrund vom Versicherungsassistenten erstellte Dokumentation als Zusammenfassung zur Verfügung. Durch seine integrierte Dokumentenmappe ist der VA auch als Stand-Alone, sowohl On-, wie auch Offline nutzbar und natürlich IDD-konform in der Dokumentation.“

Frage: Österreich hat noch ca. 6 Monate bis zur Umsetzung der IDD, also werden Sie „in time“ mit Ihrem Produkt Versicherungsassistent fertig!?

Thomas Hajek:  „Es ist richtig, Österreich gehört zu den IDD-Nachzüglern und hat noch ein gutes halbes Jahr zur Umsetzung in nationales Recht. Der Versicherungsassistent von netinsurer ist fertig und in der Praxis angekommen. In Österreich ist der Versicherungsassistenten bereits Marktführer.“

Frage: Könnten auch deutsche Vermittler, Makler und Versicherer den Versicherungsassistenten nutzen?  

Hier unterteile ich unsere Leistungen der modularen Bausteine um das Thema Tarifrechner und dem Versicherungsassistenten. Im Thema, Tarifrechner mit Abschlussstrecken, konnten wir in Deutschland bereits die Rheinland Versicherung für Cyberversicherungen als Kunden gewinnen und sind mit verschiedenen Unternehmen in Verhandlungen.  In Sachen Versicherungsassistent passen wir gerade an die rechtlichen und produkttechnischen Rahmenbedingungen an, sodass der Versicherungsassistent in absehbarer Zeit dem deutschen Markt zur Verfügung steht. Hierfür haben wir das deutsche Tochterunternehmen mit Sitz in München, bereits ins Leben gerufen.“ Vielen Dank Herr Hajek für das offene Gespräch und den Blick auf den österreichischen Markt und deren Lösungsansätze. Nähere Informationen zu netinsurer ( HKR GmbH ) erhalten Sie unter: www.netinsurer.com

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