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Die Hauptstadtrivalen: Köpenicker Kult und Herthaner Kluft

Ein Spielball liegt auf dem Rasen. Foto: Stuart Franklin/Getty Images Europe/Pool/dpa/Symbolbild

Berlin (dpa) - 1. FC Union Berlin, die Eisernen. Gegen Hertha BSC, vom Millionen-Investor zum Big-City-Club erkoren. Das Stadion An der Alten Försterei - so der aktuelle Stand - kann bis auf den letzten Platz trotz Corona-Pandemie ausgelastet werden. Es wird ein heißer November-Abend, egal was das Thermometer am Samstag anzeigen wird, wenn die Partie der Fußball-Bundesliga um 18.30 Uhr angepfiffen wird. Beim bisher letzten Hauptstadtderby vor Fans kam es bereits zu äußerst unschönen Szenen.

Das Image: Die Eisernen aus Köpenick genießen Kult-Status. «Man ist nicht einfach nur Stadionbesucher, man trifft seinen Freundeskreis. Und diese Freundschaften hören vor dem Stadiontor ja nicht einfach wieder auf. Mein Autoschlosser, meine Friseurin, mein Paketbote ... allet Unioner!», heißt es auf der Homepage.

39.517 Mitglieder zählte der Verein zum 30. September dieses Jahres. Weil auch die Gegner immer ein Kartenkontingent bekommen, schafft es nicht mal die Hälfte beim Heimspielen ins Stadion. Die 38 407 Mitglieder der Hertha (Stand November) hätten genug Platz im Olympiastadion. Der Club aus dem Westen der Hauptstadt hat aber oft genug mit sich selbst zu tun und der Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, auch und erst recht nach dem Einstieg von Lars Windhorst, der über seine Firma Tennor mittlerweile 375 Millionen Euro in den Verein investierte.

Die Mannschaft: Es ist nicht so, dass Union seit Jahren seinen Kader immer nur partiell verändern würde. Beispiel vergangener Sommer: Zehn Abgänge, zehn Neuzugänge. Für Kontinuität sorgen Manager Oliver Ruhnert und Trainer Urs Fischer. Auch im dritten Jahr in der Fußball-Bundesliga bleibt der Klassenverbleib oberstes Gebot. Erst wenn das geschafft ist, dürften die Zielformulierungen etwas offensiver werden. Spieler wie Max Kruse sorgen für notwendige Hierarchien in der Mannschaft, Spieler wie Taiwo Awoniyi sind zu wichtigen Leistungsträgern gereift.

Und bei Hertha? Der Verein trennte sich von Spielern, die zuvor wichtig waren, aber nicht mehr ins Motivationsbild passten und sich zu divenhaft gaben. «Bei Eintracht Frankfurt habe ich gemerkt, dass sich die Leute mit dem Verein identifizieren, weil die Jungs alles auf dem Platz gelassen haben», erklärt Fredi Bobic: «Deswegen haben wir im Sommer die launischen Spieler aussortiert und Jungs geholt, die wissen, was ihre Aufgabe ist, und die für Qualität und Mentalität stehen.» Für Coach Pal Dardai bedeutete es, dass Führungsspieler ersetzt werden und neue Hierarchien gebildet werden mussten. Das aber dauert.

Der Trainer: Urs Fischer, 55 Jahre alt, Schweizer, wechselte im Sommer 2018 vom FC Basel zu Union. Merkmale: Nach außen stets höflich, und einer, der nicht von seiner besonnenen Linie inmitten des Emotion-Umfelds der Eisernen abweicht. Sein Pendant bei Hertha: Pal Dardai, zehn Jahre jünger als Fischer. Der Ungar und die Hertha - eine Beziehung über Jahrzehnte. Erst als Spieler, dann als Trainer. Allerdings nicht ohne Höhen und auch Tiefen, im Januar war er als Retter zurückgekehrt und bekam eine weitere Chancen in dieser Saison. Sein emotionaler Ausbruch nach der 0:5-Klatsche gegen die Bayern in dieser Saison missfiel Geschäftsführer Bobic allerdings gewaltig.

Die bisherigen Bundesliga-Duelle: Viermal spielten die beiden Clubs in der höchsten deutschen Spielklasse bisher gegeneinander. Auffälligkeit Nummer eins: Keine Partie endete torlos. Auffälligkeit Nummer zwei: Einen Auswärtssieg gab es bisher noch nicht. Nach einem 1:0-Sieg der Unioner beim ersten Duell in der Saison 2019/2020 - damals noch vor vollen Rängen - gewann Hertha das Rückspiel mit 4:0. In der zweiten Unioner Bundesligaspielzeit holte Hertha vier von sechs möglichen Punkten, dem 3:1-Heimsieg folgte ein 1:1 in Köpenick.