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Der tägliche Immobilienwahn: Ein Makler packt aus!

Der tägliche Immobilienwahn: Ein Makler packt aus! Foto: Autor H. Bönitz
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Henrik Bönitz schrieb das Buch „Das Haus steht an einer Straße“ über seine Erlebnisse als Immobilienmakler. Ein Buch über diesen Beruf schreiben, dass wollte Bönitz schon länger. Nur fehlte immer die Zeit dazu. Aber als dann Ende 2012 der Ablehnungsgrund eines Kaufinteressenten kam: „Nein Danke, das Haus steht ja an einer Straße“, festigte sich der Wille schlagartig. Bönitz redete sich ein „man müsse diesen täglichen Wahnsinn einfach mal zu Papier bringen, sonst glaubt niemand was man als Immobilienmakler so alles erlebt“. Deshalb fing er an, sich über die eine oder andere Gegebenheit Notizen zu machen. 2015 war es dann soweit. Durch eine Gelenkentzündung ans Heim gefesselt, schrieb Bönitz drauf los und verarbeitete alle gesammelten Notizen zu einem Buch.

„Das war ganz einfach, beim Schreiben fällt einem immer mehr ein“ sagt der 54-Jährige. Ein paar Monate später lag sein erstes Buch auf dem Tisch. Darin plaudert Bönitz aus dem Nähkästchen und lässt den Leser an unterhaltsamen Geschichten rund um den Kauf und Verkauf von Immobilien teilhaben. Es gab immer wieder skurrile Erlebnisse, bei denen man den Kopf schütteln musste. Gerade die Ablehnungsgründe (Titel des Buches) sind mitunter das Irrwitzigste, was sich der menschliche Geist ausdenken kann: mal passt der vorhandene Billardtisch nicht ins Wohnzimmer, Birkenpollen gelangten zu dicht ans Haus, das zum Haus gehörige 2.400 Quadratmeter Grundstück ist für eine Artgerechte Hundehaltung nicht geeignet, der Ort hat keinen „richtigen“ S-Bahnhof oder die Straßenlampe scheint direkt ins Fenster. In Sachsenhausen bei Oranienburg hatte sich der Makler nach 33. Besichtigungen schon die Hände gerieben, weil ein Käufer gefunden schien bis dieser fragte, was sich hinter dem Grundstück befindet. „Na, der Sachsenhausener Friedhof – über den könne man den Weg zum Bus erheblich abkürzen!“. Eisige Gesichter waren die Folge. Die Kaufinteressenten gehörten nämlich der Feng-Shui-Bewegung an und erklärten kategorisch: Von einem Friedhof würde so viel negative Energie ausgehen, dass das Haus überhaupt nicht in Frage käme.

Der ersten Version des Buches folgte 2016 die, um einige Kapitel erweiterte, aktualisierte zweite Version unter anderem mit dem Kapitel „Erben – die lieben Kinder“: „hier kann ein Makler live miterleben wie Menschen werden, wenn Aussicht auf Geld besteht. Jeder Erbe hatte sich natürlich selbst stets fürsorglichst um den Verschiedenen gekümmert – und gönnt den anderen nicht den Schmutz unter dem Fingernagel. Jeder, der einem in so einem Falle gegenüber sitzt, gehört zweifellos zu den Guten. Bei Nachlassverkäufen wird in der Regel von den Erben ein ideeller Wert festgelegt – den hat der beauftragte Makler dann beizubringen. Die Bewertung der Immobilie fällt in der Regel jedoch oft niedriger aus, als in der Vorstellung der Erben im stillen Kämmerlein. Dann kann man nur hoffen, dass der eine oder andere auf seinen Anteil verzichtet. Das ist aber nur schwer machbar, denn die Erben haben das Geld vor Verkauf schon lange für Pferd, Auto und Schuldenbegleichung ausgegeben“.

Schonungslos werden die Fälle geschildert. Es kann passieren, dass sich der eine oder andere in dem Buch wiederfindet. „Ich habe ohne Hemmung geschrieben, es muss sich ja niemand die Jacke anziehen“ sagt Bönitz. Vergrabene Rinderhälften im Garten, Katzenzucht in der Küche, Wassergrundstücke ohne Wasser und die Zucht von Schweinen im Dachgeschoss eines Wohnhauses. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den alltäglichen Erlebnissen des Immobilienmaklers. Bönitz hat sie amüsant zu Papier gebracht.

Für Henrik Bönitz soll das Buch aber nicht nur eine Sammlung von Anekdoten sein, sondern auch der Hinweis an den Verkäufer, sein Haus nicht ohne Makler zu verkaufen. Es seien beim Hausverkauf einfach zu viele Laien am Werk und es werden viele unnötige Fehler begangen, was sich unter anderem negativ am Verkaufserlös abzeichnen könnte - auch lange nach dem Verkauf. Fakten zum Buch von Henrik Bönitz: es hat 168 Seiten und ist bei Tredition erschienen. Unterteilt in 28. Kapiteln wie zum Beispiel: Gebrauchte Häuser - nichts für Tangotänzer, Preisfindung – lieb und vor allem teuer, Schnäppchenhäuser – Sparen kann teuer werden oder: Die Katze im Sack – Erwerb über Zwangsvollstreckung. Buchpreis: 11,95 €, als e-book für 5,45 € beim Buchhändler oder im Internet zu haben.

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