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Corona und der Ukraine Krieg heizen das Interesse an virtuellen Märkten auf

Wertsteigerin für Immobilien Kerstin Elpel, Bildrechte Kerstin Elpel, Foto: Dominik Pfau

Alle reden aktuell übers Metaverse. In Online-3-D-Welten wie Decentraland und The Sandbox werden für Grundstücke Millionenbeträge gezahlt. Wird diese Welt real? Und was bedeutet es für den Immobilienmarkt, wenn die Grenzen zwischen virtuellem und realem Leben immer stärker verschwimmen? Diesen Fragen geht die Wertsteigerin für Immobilien Kerstin Elpel nach. Ihre Überzeugung: "Das Metaverse könnte auch rund um das Thema Immobilienwerte ein Milliardenmarkt werden. Der Trend birgt aber auch Gefahren."

Stellen Sie sich vor, Sie hätten jemandem in den 1950er-Jahren das Internet oder die Tatsache, dass ein Leben ohne Smartphone in der Zukunft undenkbar wird, erklären wollen. Absolut unmöglich. Ähnlich verhält es sich heute mit dem Thema Metaverse. Die offizielle Definition von Mathew Ball, Experte und CEO der amerikanischen Tech Firma EpyllionCo lautet beispielsweise: „Das Metaversum ist ein permanentes Netzwerk von in Echtzeit gerenderten 3D-Welten und -Simulationen, die die Kontinuität von Identität, Objekten, Geschichte, Zahlungen und Ansprüchen unterstützen und von einer praktisch unbegrenzten Anzahl von Nutzern synchron erlebt werden können, von denen jeder ein Gefühl der Individualität hat.“ Oder kurz gesagt, es handelt sich um eine Reihe von virtuellen Räumen, in denen man bereits heute als eigener Avatar ebenso virtuelle Erfahrungen, Geschäfte und auch Immobilienkäufe tätigen kann.

Für Unternehmen könnte diese von unter anderem Facebook-Macher Mark Zuckerberg forcierte zweite, rein digitale Parallelwelt eine weitere Möglichkeit werden, sich zu vernetzen, zu präsentieren und vor allem Erkenntnisse über die Wünsche und die Daten der Verbraucher zu gewinnen. So könnten sich im Metaverse etwa Lebensmittel, Kleidung, Kunstwerke oder sogar Grundstücke kaufen lassen. Insbesondere im Immobilienmarkt ist das schon heute mehr Realität als Zukunftsmusik. 2021 wurden in virtuellen Welten wie Decentraland, Axie Infinity und The Sandbox Grundstücke im Wert von mehr als 501 Millionen Dollar verkauft. Experten gehen davon aus, dass sich die investierte Summe 2022 auf eine Milliarde Dollar verdoppeln wird. Gekauft werden kann dort übrigens ausschließlich in Krypto-Währungen.

Doch was soll das alles? Bringt ein eigenes kleines Grundstück, vielleicht mit einem Haus am See oder eine große, luxuriöse Villa oder auch nur ein Geschäftsraum in einer Parallelwelt einen (finanziellen) Mehrwert? Offenbar schon, denn was in der Realität unerreichbar scheint, lässt sich dort vergleichsweise einfach realisieren. Die Käufer erwerben dabei natürlich keine echte Immobilie, sondern ein digitales Besitzzertifikat, ein sogenanntes Non-Fungible Token (NFT). Dieses NFT hält die Transaktion auf der Blockchain festhält. Bebaut werden die Grundstücke dann nicht nur mit den individuellen virtuellen Träumen. Für Unternehmen kann es interessant sein, in den Immobilien oder Geschäftsräumen im Metaversum ihre Tätigkeiten aus der realen Welt zu repräsentieren. Daraus können sich auch neue Geschäftsmodelle entwickeln, zum Beispiel Kulturangebote, Shoppingerlebnisse oder Freizeitaktivitäten mit Freunden im virtuellen Raum.

Aktuell lässt sich kaum abschätzen, welche Rolle die Immobilien im Metaverse einmal spielen werden. Der Vorteil: Nutzer können sich im Metaverse ohne Grenzen und Zeit bewegen. Es spielt keine Rolle, wo eine virtuelle Immobilie steht. Wertsteigernd ist allerdings, ob sich in der „Nachbarschaft“ Prominente oder spannende Branchen ansiedeln. Die Lage ist also auch im Metaversum ein wichtiges Kaufkriterium. Aber: Auch wenn aktuelle Entwicklungen wie die Corona-Pandemie oder die Kriegsszenarien den Rückzug in virtuelle Welten beschleunigen und die Fantasie von Investoren anheizen: Es handelt sich um ein Hochrisiko-Investment, welches im Totalverlust enden kann.

Von Kerstin Elpel, Century21 & Kollegen, Wilhelmshaven


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