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Corona-Zahlen steigen: Senat könnte 2G-Regel ausdehnen

Dilek Kalayci (SPD), Gesundheitssenatorin von Berlin. Foto: Paul Zinken/dpa/Archivbild

Berlin (dpa/bb) - Ungeimpfte müssen sich in Berlin auf stärkere Corona-Einschränkungen einstellen. Der Senat plant, die 2G-Regel für weitere Orte und Ereignisse anzuwenden. «2G wird vorbereitet», sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Sonntag dem «Tagesspiegel». Derzeit gilt in Berlin, dass Betreiber etwa von Restaurants oder Veranstalter selbst entscheiden können, ob sie den Zutritt zu ihren Innenräumen Geimpften, Genesenen und Getesteten (3G) erlauben oder nur noch Geimpften und Genesenen (2G). Im Falle von 2G entfällt die Maskenpflicht.

Weihnachtsmärkte sind in Berlin je nach Ort mit 2G oder 3G geplant. Für Clubs und andere Anbieter von Tanzveranstaltungen ist dagegen 2G schon vorgeschrieben. Welche Neuregelungen im Gespräch sind, ließ ein Sprecher Kalaycis am Sonntag offen. Die Senatsmitglieder werden sich laut «Tagesspiegel» in mehren Schalten dazu austauschen, auch eine Sondersitzung sei möglich. Eine turnusmäßige Senatssitzung ist wegen des Gedenktags 9. November erst eine Woche später wieder geplant.

In mehreren Bundesländern greifen zum Wochenbeginn strengere Regeln. In Sachsen, das bundesweit die höchste Sieben-Tage-Inzidenz hat, haben von Montag an nur noch Geimpfte oder Genesene Zugang zu vielen Bereichen des öffentlichen Lebens - 2G. Mit steigenden Corona-Zahlen wächst auch in Berlin die Sorge. Krankenhäuser stellen sich auf eine zunehmende Zahl von Patienten ein. Die Nachfrage nach Booster-Impfungen wächst und es gibt die Forderung nach strengeren Regeln.

«Wir müssen alles dafür tun, einen weiteren Lockdown, insbesondere die Schließung von Schulen und Kitas, zu vermeiden», forderte am Sonntag Berlins SPD-Landesvorsitzende Franziska Giffey, die sich im Dezember zur Regierenden Bürgermeisterin wählen lassen will. Auch sie plädierte für 2G. Nach Giffeys Worten müssen Ausnahmen bleiben für Kinder und diejenigen, für die es keinen Impfstoff gibt oder die sich nicht impfen lassen können. «Für alle anderen sollte gelten: Ungeimpfte können zum Beispiel keinen Zugang zu Kultureinrichtungen, Clubs, Fitnessstudios, Restaurants, Kinos oder auch zu Besuchen in Krankenhäusern oder Pflegeheimen bekommen.»

Die FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus sprach sich gegen weitere Einschränkungen aus. «Statt Geimpfte gegen Ungeimpfte auszuspielen und die Spaltung der Gesellschaft voranzutreiben, müssen wir den Menschen ihre Ängste nehmen», sagte der Vorsitzende Sebastian Czaja. «Der erste Schritt wäre es, die Antigen-Tests wieder kostenfrei für alle anzubieten.»

Die Zahl der Neuinfektionen hat sich in weniger als drei Wochen mehr als verdoppelt. In den vergangenen sieben Tagen meldeten die Berliner Gesundheitsämter 195,3 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner, wie die Senatsverwaltung für Gesundheit am Sonntag mitteilte. 11,5 Prozent der Intensivbetten in der Stadt sind nach Senatsangaben mit Covid-19-Patientinnen und -Patienten belegt. Die entsprechende Ampel im Warnsystem des Landes zeigt Gelb.

«Wir verzeichnen seit gut einer Woche in den Impfzentren, aber auch bei den mobilen Impfteams einen deutlichen Anstieg an Impfungen», sagte der Berliner DRK-Präsident Mario Czaja der «Berliner Morgenpost» (Sonntag). Ein Großteil der Termine entfällt demnach auf sogenannte Booster-Impfungen - die Auffrischung für Menschen, die schon vollständig geimpft waren.

«In der Messe wird das Personal jetzt weiter aufgestockt, damit wir relativ kurzfristig nicht nur 2000 Personen am Tag, sondern 3000 impfen können», sagte Czaja. Das Impfzentrum Messe wird von den Maltesern betrieben. Der katholische Hilfsdienst hatte am Mittwoch mitgeteilt: «Die Hütte ist wieder voll und wir erleben einen Booster-Boom in unserem Impfzentrum.» Auch Ungeimpfte seien weiter hochwillkommen.

Das Rote Kreuz betreibt das Impfzentrum Tegel. Bei weiter steigendem Bedarf soll nach Czajas Angaben auch im früheren Flughafen zusätzliches Personal eingesetzt werden. Neben den Impfzentren gibt es Impfstationen und mobile Angebote wie den Impfbus. Impfungen sind weiterhin auch bei Hausärztinnen und Hausärzten möglich.

Mit 67,3 Prozent sind nach Senatsangaben etwa zwei Drittel der Berliner vollständig gegen die Seuche geimpft.

Trotz Corona-Ausbrüchen in Alters- und Pflegeheimen sieht der Amtsarzt von Berlin-Reinickendorf die Wirksamkeit der Impfung im Alltag bestätigt. «Die Impfung wirkt, wir haben weniger Fälle als voriges Jahr. Sie erspart vielen Alten den vorzeitigen Tod», sagte Patrick Larscheid der Deutschen Presse-Agentur.

Die Charité kann ihre 3000 Betten nach Angaben des Klinikpersonalrats nicht voll auslasten. «Derzeit sind 2500 Betten belegt, wobei wir aktuell eher weniger Pflegepersonal haben als noch vor einem Jahr», sagte der Vorsitzende des Gremiums, Jörg Pawlowski, dem «Tagesspiegel» (Samstag). «Hintergrund sind erschöpfte Kolleginnen und Kollegen, die wegen des Dauerstresses krank wurden oder den Job gewechselt haben.» Planbare Operationen müssten erneut verschoben werden, damit schwerstkranke Corona-Patienten behandelt werden können.