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Brandenburgs Naturschützer besorgt: Weißstörche werden weniger

Brandenburgs Naturschützer besorgt. Archivfoto: Soeren Stache/dpa

Die Zahl der Weißstörche in Brandenburg ist nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Es fehle durch die Trockenheit an Nahrung bei der Aufzucht von Jungen, teilten die Naturschützer nach einer Tagung in Rühstädt (Prignitz) mit. Zudem gehe es Störchen, die über die Westroute etwa über Frankreich und Spanien in wärmere Gefilde ziehen, wesentlich besser als Tieren, die sich über den Osten etwa über Ungarn nach Süden aufbrechen, stellten die Naturschützer fest. Teilweise sei der fehlende Bruterfolg in Brandenburg durch den Zuzug von Störchen aus Polen ausgeglichen worden - doch auch diese Zahl nimmt nach Angaben des Nabu weiter ab.

In dem bekannten Storchendorf Rühstädt an der Elbe verzeichneten die Naturschützer in diesem Jahr einen deutlichen Rückgang der Brutpaare und auch der Jungtiere pro Paar. Gab es dort 2013 noch mehr als 70 Jungstörche und 37 im vergangenen Jahr, so haben die Storchenexperten in diesem Jahr in der Prignitz nur 19 Jungstörche gezählt. Klimawandel, Wassermanagement und die intensive Landwirtschaft in Brutgebieten spielten bei der Weißstorchpopulation eine Rolle, fassten die Naturschützer zusammen.

Der Nabu-Weißstorchexperte für Südbrandenburg, Holger Teichert, berichtete, dass die Zahl der Jungstörche in dieser Region um etwa zehn Prozent abgenommen habe, in einigen Landkreisen sogar um 15 Prozent. Waren es im vergangenen Jahr noch 568 Junge, ging die Zahl ihm zufolge in diesem Jahr auf schätzungsweise 512 zurück, wie er der Deutschen Presse-Agentur am Samstag sagte. Teichert beringt die Tiere auch. «Störche, wie nicht satt werden, verhalten sich anders im Nest, und Jungtiere werden von den Alttieren entfernt.»

«Es ist schon schwierig für Störche, in diesem Jahr bei der Trockenheit ausreichend Futter zu finden», schätzte Teichert ein. Hinzu käme die Hitze, die Weißstörche in ihren Horsten nicht so gut vertrugen. Für die Aufzucht der Jungen müssten sie viel Wasser aus nahen Gräben holen, die aber derzeit häufig ausgetrocknet seien.

Dabei kann sich der Storch dem Fachmann zufolge durchaus veränderten klimatischen Bedingungen anpassen. «Aber das hat auch irgendwann Grenzen.» Heutzutage fressen Störche dem Experten zufolge nicht nur Frösche, sondern auch Heuschrecken und Feldmäuse. Diese seien derzeit aber auch nicht in großer Zahl zu finden, auch die Feldmaus-Population schwanke, so Teichert. Hinzu komme, dass für die Jungtiere zunächst kleine Insekten und Regenwürmer auf dem Speiseplan stehen, solche Nahrung sei durch Trockenheit aber immer weniger zu finden.

Auch die intensive Landwirtschaft mit großen einheitlichen Mais-Anbauflächen mache dem Weißstorch in Brutgebieten zu schaffen. Bessere Bedingungen habe das Tier auf Grünlandflächen mit Weidehaltung.

Eine weitere Beobachtung der Naturschützer: Weißstörche, die auf ihrem Zug in den Süden die Westroute nehmen, sind gegenüber den «Ostziehern» im Vorteil. In Spanien etwa finden sie gute Bedingungen und brauchten nicht bis Nordafrika zu fliegen, wie Teichert erklärte. Zudem brüteten die Tiere erstmals mit etwa zwei Jahren in einem jüngeren Lebensalter als die «Ostzieher», die das erste Mal mit vier Jahren Junge bekommen. Damit sei die Reproduktion der Weißstörche im Westen Deutschlands höher.


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