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Brandenburger Festivals warten weiter auf wirksame Hilfen

Ein Open-Air-Konzert auf der Bühne der Stiftung Schloss Neuhardenberg. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Potsdam (dpa/bb) - Brandenburgs Festivalveranstalter müssen vorerst weiter auf zusätzliche staatliche Hilfen warten. Neben dem Bundesprogramm «Neustart Kultur» vom Sommer 2020 gebe es bereits «passgenaue» Unterstützungen für die Festivalbranche, teilte das Kulturministerium in Potsdam auf eine Kleine Anfrage der Linke-Landtagsabgeordneten Isabelle Vandre mit. Das sehen die Veranstalter von 50 Open-Air-Festivals aus der Region ganz anders, die Mitte März in einem «Brandbrief» auf ihre existenzbedrohende Lage hingewiesen hatten.

Vandre, die auch kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist, hatte in einer Anfrage an die Landesregierung auf den Hilferuf der Musikfestivals verwiesen, wonach viele Veranstaltungen vor dem Aus stünden. Gefordert hatten die Festivals unter anderem konkrete Angaben zu Personenzahlen pro Quadratmeter, statt pauschaler Begrenzungen, ein Konsens der Politik über Hygienekonzepte und die Übernahme von Vorauszahlungen, Planungs- und Organisationskosten etwa für die Corona-Schnelltests.

Darüber hinaus sollten den Veranstaltern Einnahmeverluste durch geringe Besucherzahlen ausgeglichen werden. Die bisherigen staatlichen Programme hätten «zum kulturellen Stillstand» beigetragen. In dem Papier wird auch auf einen Landtagsbeschluss vom Januar verwiesen, in dem die darin angekündigten Hilfen begrüßt werden, die aber noch immer nicht umgesetzt seien.

Auch Vandre verweist in ihrer Anfrage auf den Landtagsbeschluss, nach dem das Land ein kleines Programm von bis zu einer Million Euro auflegen sollte, falls die Bundesmittel für die Festivalveranstalter nicht oder nicht rechtzeitig bereit stünden. Auch sollte sichergestellt werden, dass die Gelder zur Kofinanzierung von Bundeshilfen gegen Corona vorhanden seien.

Bereits bevor der Landtag weitere Hilfen für privatwirtschaftliche Festivals forderte, konnten Kulturveranstalter Landesgelder zur Kofinanzierung von Hilfen aus dem Bundesprogramm «Neustart Kultur» erhalten. Doch bis Antragsschluss habe es keine Nachfrage der Festivals gegeben, so das Kulturministerium. Derzeit prüfe das Finanzressort in Potsdam, ob eine erneute Landesförderung aufgelegt werden könne, um Ergänzungen des Programms «Neustart Kultur» nutzen zu können.

Die ungleiche Unterstützung von kleineren, gemeinnützigen und größeren, privatwirtschaftlichen Festivals kritisiert Vandre. Die größte «Baustelle» sei die Bundesnotbremse, die bis Ende Juni keine größeren Veranstaltungen zulasse, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. «Ich wünsche mir, dass Brandenburg in enger Kooperation mit Veranstaltern von Festivals Modellprojekte fördert und Testkapazitäten unterstützt.»

In ihrer Anfrage hatte Vandre auch auf Bremen verwiesen, dessen Bürgschaft den Senat aufgefordert hat, zwei bis drei Flächen für Open-Air-Veranstaltungen befristet bereitzustellen. Den Veranstaltern sollte der Senat helfen, Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte zu erstellen und geplante Projekte umzusetzen.

In der vor etlichen Tagen verfassten Antwort verweist das Potsdamer Kulturministerium darauf, dass Modellprojekte wie in Bremen «aufgrund der momentan anhaltend hohen Zahl von Neuinfektionen im Land Brandenburg» derzeit nicht umgesetzt werden könnten. Aktuell aber sinken die Infektionszahlen kontinuierlich - was neuen Spielraum verschafft.

Modellvorhaben wie in Bremen wären laut Vandre zum Beispiel auf dem Gelände der Schiffbauergasse in Potsdam möglich, wo bereits Veranstaltungen wie das Sommerkino und Theateraufführungen geplant seien. «Das wäre für die Kulturschaffenden ein bisschen Licht am Horizont, das Hoffnung macht.»