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Brandenburg will Turbo bei Impfung: Kontaktbeschränkungen?

Eine Spritze liegt vor Fläschchen mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Potsdam (dpa/bb) - Brandenburg will im Kampf gegen Corona die Zahl der Impfungen auf 160 000 pro Woche hochfahren und schärfere Regeln einführen. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) deutete am Freitag eine erneute Beschränkung von Kontakten an. «Wir befinden uns in Brandenburg, wir befinden uns in ganz Deutschland in einer akuten Notsituation», sagte Woidke am Freitag in Potsdam nach einem sogenannten Impfgipfel.

«Ich fürchte, dass wir insgesamt im Land uns Gedanken machen müssen, wie wir in allen Teilen des Landes weitere Maßnahmen umsetzen, die vor allen Dingen ein Ziel haben müssen: Kontakte zu beschränken.» Landesregierung, Kommunen, Ärzte und Krankenhäuser vereinbarten die Einrichtung von rund 100 neuen Impfstellen.

Mehr Impfungen: Rund 160 000 Impfungen pro Woche wäre fast eine Vervierfachung im Vergleich zur vergangenen Woche mit 42 000, davon 39 000 in Arztpraxen. In dieser Woche werden es nach Angaben des Chefs der Kassenärztlichen Vereinigung, Peter Noack, voraussichtlich 60 000 Impfungen sein. Die Ärzte in Praxen sollen künftig bis zu 100 000 Spritzen pro Woche setzen, die neuen Impfstellen unter Koordinierung der Kommunen und bei Einbeziehung von Kliniken bis zu 50 000.

In Potsdam, Cottbus und den Landkreisen Barnim und Dahme-Spreewald werden vier überregionale Impfstellen für bis zu 10 000 Impfungen wöchentlich eingerichtet. Der Kassenärzte-Chef rief Ärzte auf, beim Impfen zu helfen und bat Jüngere um Geduld.

Wenn alle über zwölf Jahre mit Zweitimpfung nach sechs Monaten eine Auffrischung wollten, wären das hochgerechnet bis zum Jahresende 570 000 Menschen, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). Sie erwartet keine Knappheit beim Impfstoff. Der Impfstab in ihrem Ministerium soll mit Hilfe aus allen Ressorts aufgestockt werden. Über 60-Jährige sollen angeschrieben werden, sich den Piks geben zu lassen.

Die Schaffung neuer Impfstellen war auch Teil eines Briefs der Staatskanzlei an Nonnemacher. Linksfraktionschef Sebastian Walter sagte daraufhin, Woidke traue seiner Ministerin die Lösung der Krise nicht zu.

Schärfere Regeln: Der Regierungschef ließ einen Teil-Lockdown offen. «Ich schließe momentan gar nichts aus, wir sind in einer sehr schwierigen Situation», sagte er auf eine entsprechende Frage. Im Nachbarland Sachsen mehren sich unterdessen Zeichen für einen zeitlich begrenzten Lockdown für Teile des öffentlichen Lebens.

Am Montag will Woidke mit Landräten und Oberbürgermeistern über neue Regeln beraten, am Dienstag tagt das Kabinett. «Es wird in der nächsten Woche weitreichende Entscheidungen geben müssen», sagte er. Seit Montag gilt die 2G-Regel (Zugang nur für Geimpfte und Genesene) für Gaststätten, Theater und Kinos. Bund und Länder hatten weitere Beschränkungen beschlossen.

Schulen: Woidke will die Schulen weiter offen halten. «Es ist zu verantworten», sagte er. «Wir haben die Testangebote weiter ausgeweitet.» Drei Schulen haben in der laufenden Woche wegen Corona-Fällen geschlossen, wie das Bildungsministerium mitteilte. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit einem positiven Test stieg von 2901 in der Vorwoche auf 4813. Der Hauptpersonalrat für Lehrkräfte hält die Lage in Schulen wegen der steigenden Infektionszahlen für besorgniserregend und fordert mehr Corona-Tests.

Corona-Lage: Die Sieben-Tage-Inzidenz neuer Corona-Infektionen schnellte in Brandenburg auf über 500 hoch. Die Gesundheitsämter meldeten innerhalb eines Tages 3123 neue Ansteckungen, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Damit stieg die Zahl erstmals auf über 3000. Die Zahl neuer Fälle je 100 000 Einwohner in einer Woche ist dem Robert Koch-Institut zufolge mit 507,1 der vierthöchste im Ländervergleich. Innerhalb Brandenburgs hat der Landkreis Elbe-Elster weiter die höchste Inzidenz - sie kletterte auf 1144,6.

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