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Andrang bei Impf-Pilotversuch in Neukölln

Eine Mitarbeiterin des Impfteams überprüft eine Spritze. Foto: Thomas Frey/dpa Pool/dpa/Symbolbild

Berlin (dpa/bb) - Noch 200 Meter, noch 100 Meter: Hunderte Menschen haben am Freitag geduldig in einer langen Schlange auf den ersehnten Piks gewartet. Bei der ersten Berliner Schwerpunktimpfung in der Corona-Pandemie im Stadtteil Neukölln hat dieses große Interesse die Gesundheitsverwaltung positiv überrascht. «Wir sind überwältigt von der Nachfrage», sagte Gesundheitsstaatssekretär Martin Matz am Freitagmittag. Es gebe für Freitag jedoch nur 400 Impfdosen. «Viele werden wiederkommen müssen.» Bis Sonntagabend stünden insgesamt 1200 Impfdosen bereit - für mehr als 10 000 Menschen aus Neuköllner Wohngebieten mit besonders hohen Ansteckungszahlen.

Das Impfangebot in einer Schule an der Köllnischen Heide ist ein Modellversuch für Stadtgebiete mit Inzidenzen, die weit über dem Berliner Durchschnitt liegen. Dazu gehören in Neukölln zum Beispiel die High-Deck-Siedlung, die Weiße Siedlung und das südliche Kiehlufer. Über Aushänge an den Haustüren sowie über Sozial- und Bildungsträger wurden die Bewohner seit Mittwoch kurzfristig über das neue Angebot informiert. «Ich war am Anfang skeptisch, ob das funktioniert. Vor allem bei diesem Wetter», sagte Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD). Nun ist er überzeugt, dass es klappt. «Wir müssen das wiederholen, wenn wir mehr Impfstoff haben. Der Piks muss zu den Menschen kommen.»

Für den Pilotversuch hat der Bezirk Tempo vorgelegt. In rund einer Woche waren die Schul-Turnhalle, das Technische Hilfswerk, die Bundeswehr und vier Impfteams des Senats organisiert. Für Hikel macht diese Eile trotz wenig Impfstoff Sinn. Die Ansteckungszahlen hätten Ende April in einigen Quartieren um die 300 pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen gelegen. «Da kann man nicht lange warten.»

Zum Start am Freitag standen vor allem jüngere Erwachsene zum Teil weit mehr als eine Stunde an. Manche hatten sich gleich Klappsitze mitgebracht. Migranten waren in der Schlange allerdings eher die Ausnahme. Vom «Restimpfstoff» für Ausländer sei in Neuköllner Communitys manchmal die Rede oder es kursierten Falschinformationen über Unfruchtbarkeit als Folge der Impfung, berichten Mitarbeiter des Gesundheitsamts.

Samah Ibrahim weiß, wie groß die Skepsis gegenüber dem Impfen in ihrer Familie ist. «Viele haben Angst vor dem Impfstoff», berichtet die junge Frau nach dem Piks. Sie sehe das anders. «Ich will nicht krank werden und ich will meine Familie schützen.» Vielleicht überzeuge ihr Beispiel ja andere.

«Wir haben verschiedene Bevölkerungsgruppen angesprochen - man weiß nie, wer kommt», sagte Matz. Es sei bereits angedacht, das Angebot in anderen Bezirken zu wiederholen, voraussichtlich demnächst in Mitte und Spandau. Allerdings gibt es bisher erst insgesamt 10 000 Impfdosen für Berliner Kieze mit besonders hohen Ansteckungszahlen.

Die erste Schwerpunktimpfung ist ein gemeinsames Pilotprojekt des Senats und des Bezirksamts Neukölln. Es läuft bis zum 16. Mai jeweils von 10.00 bis 18.00 Uhr. Termine müssen nicht vereinbart werden. Die Wartezeiten können aber deutlich mehr als eine Stunde betragen. Eine Impfung kann bei hohem Andrang nicht garantiert werden.

Nötig für die Impfberechtigung ist ein Ausweis mit der Meldeadresse, eine FFP-2-Maske und wenn möglich ein Impfpass. Geimpft wird mit den Impfstoffen der Firmen Johnson & Johnson sowie Moderna. Bei der Impfung mit Moderna ist einige Wochen später eine Zweitimpfung nötig.