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AfD-Landesvorsitzende Brinker bewirbt sich um Platz eins

Kristin Brinker, Landesvorsitzende der Berliner AfD. Foto: Christoph Soeder/dpa/Archivbild

Berlin (dpa/bb) - Die Berliner AfD-Landesvorsitzende Kristin Brinker (49) will Spitzenkandidatin ihrer Partei bei der Wahl ums Abgeordnetenhaus werden. «Ich werde für Listenplatz eins kandidieren», sagte Brinker am Freitag. Bisher hatte es darüber nur Spekulationen gegeben. Am Samstag beginnt in Berlin-Biesdorf (Marzahn-Hellersdorf) eine zweitägige Wahlversammlung, bei der die Landes-AfD über ihre Kandidatenliste entscheidet. Zuvor hatten der RBB und der «Tagesspiegel» (online) darüber berichtet. Die Abgeordnetenhauswahl ist für den 26. September parallel zur Bundestagswahl geplant.

Ob sich AfD-Fraktionschef Georg Pazderski (69) ebenfalls um eine weitere Kandidatur für das Abgeordnetenhaus bewerben wird, gilt als noch offen. Aus Parteikreisen heißt es, der Fraktionsvorsitzende, dem ebenfalls Ambitionen auf die Spitzenkandidatur nachgesagt wurden, habe inzwischen Interesse angemeldet, für den Bundestag zu kandidieren. Parteiintern soll es darüber bereits Gespräche gegeben haben.

Der Ex-Offizier hatte im Januar 2020 überraschend erklärt, nicht noch einmal für das Amt des Landesvorsitzenden kandidieren zu wollen. Damals sagte er mit Blick auf das Wahljahr 2021: «Ich behalte mir vor, für den Bundestag oder das Abgeordnetenhaus zu kandidieren.» Er könne sich gut vorstellen, sich künftig mehr in der Außen- und Sicherheitspolitik zu engagieren.

Über ihre Landesliste für die Bundestagswahl will die Berliner AfD am kommenden Wochenende (12./13. Juni) bei einem weiteren Wahlparteitag in Biesdorf entscheiden. Pazderski selbst kommentierte seine Absichten auf Anfrage am Freitag nicht.

Für die Wahlversammlung an diesem Wochenende werden nach Brinkers Angaben 257 Delegierte in Biesdorf erwartet. Sie soll in einem großen Zelt stattfinden. Die Genehmigung von Seiten des Bezirksamtes liege inzwischen vor, sagte Brinker. Linke Gruppen haben unter anderem eine Fahrrad-Demo und mehrere Kundgebungen gegen die AfD-Wahlversammlung angekündigt.

Die meisten der 22 Mitglieder der AfD-Fraktion wollten wieder antreten, sagte die AfD-Landeschefin, nur zwei hätten mitgeteilt, nicht wieder kandidieren zu wollen. Bewerbungen um einen Listenplatz sind auch vor Ort noch möglich. Wie viele Kandidaten am Samstag schon feststehen, ist offen, die Wahlen werden am Sonntag fortgesetzt.

Vorschläge vom Landesvorstand für die Listenplätze gebe es nicht, sagte Brinker. Aus Absprachen von Parteimitgliedern über Vorschläge für eine Kandidatenliste mit 24 Namen habe sie sich rausgehalten. Auf der Liste, die der dpa vorliegt, ist Brinker auf Platz eins gesetzt. Auf den vorderen Plätzen sind unter anderem Fraktionsmitglieder wie Roland Gläser, Karsten Woldeit und Harald Laatsch genannt.

Brinker, Finanzexpertin ihrer Partei, ist seit 2016 Mitglied des Abgeordnetenhauses und gilt schon länger als Gegnerin Pazderskis. Landesvorsitzende ist sie seit Mitte März. Bei einem Parteitag setzte sie sich erst im vierten Wahlgang gegen die Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch durch. Zunächst hatte Pazderski gemeinsam mit von Storch als Doppelspitze für den Parteivorsitz kandidieren wollen. Dafür gab es bei den Delegierten aber keine Mehrheit.

Nach ihrer Wahl als Landeschefin kündigte Brinker an, sie wolle «frischen Wind» in die Partei bringen und alle Strömungen der AfD mit ins Boot nehmen. Brinker wird dem liberal-konservativen Lager zugerechnet. Zu ihren Unterstützern zählen aber Vertreter unterschiedlicher Strömungen in der Berliner AfD bis hin zum offiziell aufgelösten «Flügel» um den Rechtsaußen und Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke.