-

3. Liga: Viktoria zwischen Forschheit und Ungewissheit

Ein Fußball liegt auf dem Rasen. Foto: Guido Kirchner/dpa/Symbolbild

Berlin (dpa) - Aufsteiger Viktoria Berlin pendelt auf dem unbekannten Terrain der 3. Fußball-Liga zwischen Selbstbewusstsein und Zurückhaltung. «Wir würden uns für einen Durchmarsch nicht schämen», sagte Viktorias Sportdirektor Rocco Teichmann der Deutschen Presse-Agentur. Mit elf Siegen aus elf Spielen wurde der Verein nach dem Abbruch der vergangenen Saison in der Regionalliga Nordost vom Nordostdeutschen Fußball-Verband zum Aufsteiger erklärt. Die Siegesserie ist dabei laut Teichmann Fluch und Segen zugleich: «Wir werden in der 3. Liga sicher nicht alle Spiele gewinnen. Dann muss man sehen, wie die Mannschaft damit umgeht.»

Auch Viktoria-Trainer Benedetto Muzzicato bewegt sich zwischen Forschheit und Ungewissheit. «Klar ist, dass wir in der Liga bleiben wollen», sagte der 42-Jährige, den eine Top-Platzierung am Ende der Spielzeit ebenso wenig interessiert wie ein einstelliger Tabellenplatz: «Ich möchte mit meiner, mit unserer Art und Weise in der Liga bleiben, so dass wir viel Lob bekommen wie in den letzten zwei Jahren. Dass die Leute ins Stadion kommen und sagen: Macht Spaß, Euch zuzuschauen.»

Doch auch für den Coach gilt die Linie von Investor Zeljko Karajica, der nach der Insolvenz des Vereins vor knapp drei Jahren als Retter eingestiegen war. Für den Unternehmer, der zugleich dem österreichischen Erstliga-Aufsteiger Austria Klagenfurt sowie dem American Football-Team Berlin Thunder und der neu geschaffenen European League of Football vorsteht, bedeutet die dritte Liga noch nicht die Endstation. Muzzicato bekam bei seiner Anstellung im April 2019 einen klaren Auftrag. «Da hieß es: Muzzi, Du hast Zeit für die 3. Liga bis 2022. Also sind wir ein Jahr zu früh aufgestiegen. Dann wurde gesagt: «Und wir wollen bis dann und dann in der zweiten Liga sein.» Aber das genaue Datum sage ich jetzt nicht.» Der gebürtige Bremerhavener will sich nicht zu sehr unter Druck setzen.

Vor allem, weil Muzzicato auch noch einige Probleme lösen muss. «Hier stimmt noch nicht alles. Die Infrastruktur muss noch verbessert werden. In der Tiefe des Kaders müssen wir etwas mehr Risiko eingehen, um irgendwann diese große Überraschung zu sein», sagte der Deutsch-Italiener, der beim Bremer Verein FC Oberneuland seine ersten Trainer-Sporen verdiente. So wünscht sich Muzzicato unter anderem noch einen treffsicheren Stürmer. Derzeit trainiert Soufian Benyamina mit, der in der letzten Saison mit dem Aufsteiger VfB Lübeck bereits Drittliga-Luft schnupperte, aber gleich wieder abstieg.

Dieses Szenario will Muzzicato verhindern, setzt sich aber auch mit diesem Weg auseinander. «Man muss aber auch bedenken, dass in einer Vorbereitung und der Stimmung, die wir vorleben, vieles Spaß macht», sagte der Familienvater, «wie ist es, wenn die ersten Rückschläge kommen und es nicht so läuft. Und der Fußball, den wir sehen wollen, vielleicht auch nicht so greift.»

Allerdings glaubt Muzzicato nicht an einen sofortigen Wiederabstieg seines Kaders, mit dem er «super zufrieden» ist: «Das ist eine eingespielte Truppe. Jetzt kommen noch ein paar Jungs dazu, die einen anderen Einfluss mitbringen, einen anderen Werdegang haben und mit einer anderen Idee an die Sache herangehen, um diesen ganz großen Wurf hinzubekommen.»

© dpa-infocom, dpa:210712-99-347333/3


 
Werbeanzeigen und Informationen von Unternehmen!