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130.000 neue Impftermine: Der Impfstoff ist noch knapp

Ein Mann wird geimpft. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Berlin (dpa/bb) - Für die Corona-Schutzimpfung gilt seit Montag keine Beschränkung auf bestimmte Risikogruppen mehr. Jeder ab zwölf Jahre darf sich impfen lassen, wenn er das möchte. Die Impfreihenfolge ist aufgehoben worden. Also einfach Termin buchen und impfen lassen? In den meisten Fällen wird das noch etwas dauern. Denn sowohl die Kassenärztliche Vereinigung Berlin als auch die Gesundheitsverwaltung weisen darauf hin, dass Impfstoffe weiter knapp sind. Immerhin sind den Angaben zufolge rund 130.000 zusätzliche Erstimpfungstermine freigeschaltet worden.

Tatsächlich konnten am Montag über die Telefon-Hotline Termine für Impfungen mit Moderna für Anfang Juli und mit Biontech-Pfizer für die zweite Juliwoche gebucht werden. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sagte: «Besser wäre natürlich, wenn es mit mehr Impfstoff einherginge. So eröffnen sich nur begrenzte Spielräume für Impfangebote in den Impfzentren.»

Auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin sieht nicht, dass sich mit der Aufhebung der Impfpriorisierung nun plötzlich alles zum Besseren entwickeln würde. Sie rechnet vor allem mit ständig klingelnden Telefonen in den Arztpraxen. «Der Ansturm wird nicht weniger», sagte KV-Sprecherin Dörte Arnold am Montag mit Blick auf Patientinnen und Patienten, die sich telefonisch oder per E-Mail melden und nach einem Impftermin fragen. Er sei schon in den vergangenen beiden Wochen gewaltig gewesen. «Es war heftig, und es wird mit großer Sicherheit heftig bleiben», sagte Arnold.

Exakte Zahlen zur Entwicklung der Nachfrage nach Impfterminen liegen der KV nicht vor. «Wir bekommen aber Feedback aus einzelnen Praxen», so die KV-Sprecherin. Dort sei nicht damit zu rechnen, dass für alle, die das möchten, kurzfristig ein Impftermin vereinbart werden könne. Arnold wies darauf hin, dass nach wie vor zu wenig Impfstoff zur Verfügung stehe. «Außerdem werden jetzt Impfdosen für die Zweitimpfungen und für die Betriebsärzte zurückgehalten.» Beim Impfen in den Arztpraxen gehe es deshalb derzeit nur mit angezogener Handbremse vorwärts.

Berlin soll nach Angaben der Gesundheitsverwaltung von Montag Ende Juni zwar zusätzlichen Biontech-Impfstoff als Ausgleich für die Lieferungen bekommen, die an Grenzregionen wie zum Beispiel in Bayern gehen. Um dieselbe Zeit sei aber auch eine Kürzung ursprünglich angekündigter Biontech-Lieferungen vorgesehen. Unterm Strich sei damit nicht mehr Impfstoff zu erwarten.

Nach dem Corona-Lagebericht der Gesundheitsverwaltung hat es in Berlin bisher rund 2 391 750 Impfungen gegeben, bei den Erstimpfungen liegt die Impfquote bei 44,8 Prozent, eine vollständige Impfung haben 20,3 Prozent der Menschen in Berlin erhalten.

Trotz deutlich gesunkener Corona-Ansteckungszahlen lehnt Kalayci weitere umfassende Lockerungen der Corona-Regeln in der nächsten Zeit ab, etwa bei der Abstands- und Maskenpflicht in vielen Bereichen. So lange der Inzidenzwert noch zweistellig und die entsprechende Ampel gelb sei, müsse man vorsichtig sein, sagte sie im Gesundheitsausschuss. Zuerst müsse man sehen, wie sich die aktuellen Lockerungen auswirkten. «Ziel muss sein, einstellig zu werden.» Kleine Lockerungen seien im Stufenplan bereits für den 18. Juni vorgesehen.

Kalayci betonte, die Abstands- und Maskenregeln müssten bleiben. «Wir können viel lockern, wir können viele Regeln wieder abschaffen, vieles auch ermöglichen. Aber AHA-Regeln sind das, was noch bleiben sollte. Das ist nun mal Abstand, das ist nun mal das Thema Masken tragen, weil das Virus noch Zirkulationsraum hat, wir haben noch nicht die Herdenimmunität.»

Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Montag bei 26,5. Die Zahl gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen neu mit dem Coronavirus infiziert haben. Unter 20 wird die Ampel wieder grün.

Den Betrug mancher Corona-Teststellen bezeichnete Kalayci als «Skandal». Man arbeite «sehr intensiv» mit der Polizei zusammen. Auch die Gesundheitsämter und Ordnungsämter und der Zoll seien einbezogen. Allen konkreten Hinweisen werde nachgegangen. Inzwischen gebe es knapp 1600 Teststellen. Weitere Stellen würden derzeit nicht mehr genehmigt. 6,9 Millionen Tests seien nach den Angaben der Teststellen gemacht worden. Ob diese Zahl angesichts der fehlenden Kontrollen realistisch ist, sagte sie nicht.

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